OKTOBER

1. Oktober

Lukas 22.48:

Jesus aber sprach zu ihm: Judas, verrätst du den Menschensohn mit einem Kuss?

 

Nimm dich in Acht, wenn dir die Welt ein freundliches Gesicht macht. Womöglich betrügt und verrät sie dich ebenso mit einem Kuss wie deinen Meister. Wenn ein Mensch dem Christentum unversehens einen Hieb versetzen will, heuchelt er gewöhnlich große Achtung davor. Oh, ich will auf der Hut sein vor der Heuchelei, dieser Waffenträgerin der Feindschaft und Gottlosigkeit. Weil ich das falsche Wesen der Ungerechtigkeit erkenne, will ich klug sein, um die Absichten des Feindes zu erraten und zu vereiteln. Möchte meine Seele durch Gottes Gnade doch so viel Weisheit lernen, dass die vielen Worte und der glatte Mund der Welt keinen Einfluss über mich gewinnen! Heiliger Geist, gib nicht zu, dass ich armer, gebrechlicher Menschensohn mit einem Kuss verraten werde. Aber wie, wenn ich mich selbst dieser fluchwürdigen Sünde des Judas schuldig gemacht hätte? Ich bin getauft worden im Namen des Herrn Jesu; ich bin ein Glied Seiner Gemeinde; ich komme zum Tisch des Herrn – alles das sind ebenso viele Küsse meines Mundes. Bin ich aufrichtig in dem allen? Wenn nicht, so bin ich ein niederträchtiger Verräter. Dann mache ich ja die Gottesfurcht zum Spott und reize die Menschen zur Lästerung des heiligen Namens, den ich trage. Ganz gewiss: Wenn ich so handle, so bin ich ein Judas, und es wäre mir besser, dass ich nie geboren wäre. Darf ich hoffen, dass ich hierin unschuldig bin? Dann, oh Herr, bewahre mich! Mache du mich aufrichtig und treu. Behüte mich vor allen Wegen der Falschheit. Lass nie zu, dass ich dich, meinen Heiland, verrate. Ich habe dich lieb, oh Herr Jesu. Und wenn ich dich gleich oft betrübe, so möchte ich dir doch von Herzen gern treu bleiben bis in den Tod. Oh Gott, bewahre mich, dass ich nicht zuletzt doch in die Gottesferne hinabstürze, weil ich meinen Herrn und Meister sollte verraten haben mit einem Kuss!

(Spurgeon)