RÖMER

Römer Kapitel 3 Teil X

Römer 3.29-30

Oder ist Gott allein der Juden Gott? Ist er nicht auch der Heiden Gott? Ja freilich, auch der Heiden Gott. Sintemal es ist ein einiger Gott, der da gerecht macht die Beschnittenen aus dem Glauben und die Unbeschnittenen durch den Glauben.

 

Oder ist Gott allein der Juden Gott? – Der zweite Hauptsatz des Briefes lautet: Die Gerechtigkeit ist den Heiden nicht weniger als den Juden zugedacht. Dies musste besonders betont werden, wenn Christi Königreich die ganze Erde erobern sollte. Der Sinn der Frage ist nicht, ob Gott nicht ebenso der Schöpfer der Heiden wie der Juden sei – dies stand ja über jeden Zweifel erhaben fest – sondern: Ob Er nicht in gleicher Weise ihr Heiland sein wolle? Will Gott wirklich alle Völker der Erde Seine Barmherzigkeit erfahren lassen, so muss ihnen auch allen in gleicher Weise die Gerechtigkeit gehören, ohne die man nicht selig werden kann. Wenn es nun heißt, Gott sei auch der Heiden Gott, so liegt darin, wie so oft in der Schrift, auch umgekehrt die Beziehung der Heiden zu Ihm beschlossen: „Ich will euer Gott sein und ihr sollt mein Volk sein.“ Die besondere Auswahl Israels konnte ja die ursprüngliche Ordnung der Natur nicht aufheben, nach welcher alle Menschen Gottes Ebenbild an sich tragen und in dieser Welt der ewigen Seligkeit entgegengeführt werden sollen.

Die Beschnittenen aus dem Glauben und die Unbeschnittenen durch den Glauben. – Das Wortspiel zeigt nur, dass im Handel der Rechtfertigung kein wirklicher Unterschied obwaltet. So verspottet der Apostel die Juden, welche den Abstand zwischen sich und den Heiden noch offen halten wollten. Kann man Gnade nur durch den Glauben ergreifen, und ist der Glaube überall sich selbst gleich, so ist es lächerlich, nach einem Unterschied zu fragen. Wollte man aber, so sagt der Apostel ironisch, solchen Unterschied zwischen Heiden und Juden noch gelten lassen, so wäre es der: Die einen werden aus dem Glauben, die andern durch den Glauben gerecht. Außerdem ließe sich höchstens etwa sagen: Die Juden werden aus Glauben gerecht, weil sie bereits als Erben der Gnade geboren werden und das Recht der Kindschaft schon von ihren Vätern her empfangen; die Heiden aber durch den Glauben, weil für sie der Eintritt in den Bund etwas Neues ist.