1. Petrus Kapitel 1 Teil II

1. Petrus 1.3-5

Gelobt sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wir im Himmel euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahret werdet zur Seligkeit, welche bereitet ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit.

 

Gelobt sei Gott. – Wir bezeichneten es als den Hauptzweck des Briefes, uns über die Welt hinauszuweisen und zum Bestehen der Kämpfe geistlichen Kriegsdienstes zu rüsten und zu stärken. Hierzu trägt die Erkenntnis der Wohltaten Gottes nicht wenig bei. Denn wenn sie bei uns ihren Wert behaupten, wird leicht alles andere für nichts gelten. Wenn wir insbesondere bedenken, was Christus mit Seinen Gütern bedeutet, achten wir alles außer Ihm als Kot. Darum erhebt der Apostel Gottes unermessliche Gnade in Christus hoch, damit es uns nicht beschwerlich falle, uns selbst und die Welt zu verleugnen, um den unvergleichlichen Schatz des zukünftigen Lebens zu gewinnen. Weiter sollen wir uns durch gegenwärtige Mühsale nicht zerbrechen lassen, sondern sie geduldig tragen, indem wir in der ewigen Glückseligkeit ausruhen. Die Danksagung für diese Gottesgaben ruft die Gläubigen zu der geistlichen Freude auf, die alle widerstrebenden Stimmungen des Fleisches erstickt.

Und der Vater unsers Herrn Jesu Christi. – Die Worte sind etwa in dem Sinne aufzulösen: Gott, welcher der Vater Jesu Christi ist. Denn wie sich Gott einst den Gott Abrahams nannte und durch diese Bezeichnung sich von allen gemachten Göttern unterscheiden wollte, so will Er, nachdem Er sich in Seinem Sohne geoffenbart hat, nicht anders als in Ihm sich erkennen lassen. Wer also die bloße Majestät Gottes, abgesehen von Christus, im Geiste erfassen will, hat einen Götzen an Stelle Gottes. So geht es den Juden und Türken. Wer den wahren Gott wahrhaft zu erkennen begehrt, muss Ihn mit dem Titel des Vaters Jesu Christi schmücken. Solange unseren Gedanken, die Gott suchen, nicht Christus begegnet, werden sie unklar und verworren umherirren und endlich ganz vergehen. Zugleich wollte Petrus daran erinnern, wie es kommt, dass Gott so freundlich und guttätig sich gegen uns stellt. Denn wenn wir nicht Christus als Mittler annehmen, können wir Seine Güte niemals ernstlich schmecken.

Der uns wiedergeboren hat. – Dieser Ausdruck lässt ersehen, dass das Leben ein übernatürliches Geschenk ist, denn wir werden als Kinder des Zorns geboren. Wären wir nach dem Fleische zur Hoffnung des Lebens geboren, so wäre die neue Geburt aus Gott überflüssig. Darum lehrt Petrus, dass wir, die wir von Natur für den ewigen Tod bestimmt waren, durch Gottes Barmherzigkeit ins Leben zurückgeführt wurden. Dies ist aber, wie wir im ersten Kapitel des Epheserbriefes lesen, gleichsam eine zweite Schöpfung. Von einer lebendigen Hoffnung ist die Rede, weil sich dieselbe auf das Leben bezieht. Dabei deutet der Ausdruck einen Gegensatz zwischen jener Hoffnung an, die sich fest auf Gottes unvergängliches Reich gründet, und den schwankenden und flüchtigen Hoffnungen der Menschen.

Nach seiner großen Barmherzigkeit. – Die Aussage beschreibt erstlich die wirkende Ursache, sodann das Mittel der Durchführung. Gott ist durch keine Verdienste von unserer Seite bestimmt worden, uns eine Wiedergeburt zu lebendiger Hoffnung zu schenken; der Apostel schreibt dies gänzlich Seiner Barmherzigkeit zu. Und um das Verdienst der Werke völlig zunichte zu machen, spricht er von Seiner „großen“ Barmherzigkeit. Gewiss bekennt jedermann, dass Gott der einzige Urheber unsers Heils ist; dann aber fügt man allerlei äußere Ursachen hinzu, welche zur erheblichen Schmälerung Seiner Barmherzigkeit dienen. Dagegen rühmt Petrus die Barmherzigkeit allein, spricht auch weiter davon, wie sie sich vermittelt: Durch die Auferstehung Jesu Christi. Denn nirgends sonst noch auf eine andere Weise offenbart Gott Sein Erbarmen gegen uns; darum leitet uns die Schrift immer zu diesem Zielpunkt. Dass der Apostel von Christi Tod schweigt und nur Seiner Auferstehung gedenkt, darf uns nicht wundern. Denn in derselben ist der Tod eingeschlossen, weil es zur Vollendung nicht ohne den Anfang kommt. Genannt ist aber gerade die Auferstehung, weil vom neuen Leben die Rede ist.

Zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe. – Diese drei Beiwörter dienen zur Erhöhung der Gnade Gottes. Denn wie ich schon sagte, ist dies das Hauptanliegen des Petrus, deren Erhabenheit unserm Gemüt gut und tief einzuprägen. Das unvergängliche Erbe und (Vers 5) die „Seligkeit, welche bereitet ist, dass sie offenbar werde“, sind nun in dem Verhältnis zu denken, dass das letztere Stück erläuternd zum ersten gefügt wurde. Ein und dieselbe Sache ist mit doppeltem Ausdruck beschrieben. Dabei hat jedes Wort sein eigenes Gewicht. Dass unser Erbe behalten wird im Himmel, will uns lehren, dass es sich außer Gefahr befindet. Ruhte es nicht in Gottes Hand, so wäre es unendlichen Gefahren ausgesetzt. Befände es sich in dieser Welt, wie könnten wir unter so mannigfachen Erschütterungen sicher sein? Um uns also von allem Zittern zu befreien, betont der Apostel, dass unser Heil wider alle Angriffe des Satans an sicherem Ort geborgen sei. Weil aber die Gewissheit des Heils uns wenig Trost bringen würde, wenn nicht ein jeglicher sie auf sich ganz persönlich beziehen dürfte, fügt Petrus hinzu (Vers 5): Für euch. Nun findet das Gewissen sanfte Ruhe, da vom Gott vom Himmel ruft: Siehe, euer Heil ruht in meiner Hand und wir für euch verwahrt. Weil übrigens das Heil nicht ein unterschiedsloser Besitz aller Menschen ist, erinnert Petrus an den Glauben: Wer mit dem Glauben beschenkt ist, soll sich von den andern unterschieden wissen und nicht zweifeln, dass er zu den wahren und rechtmäßigen Erben des Gottesreichs gehört. Der Glaube dringt bis in die Himmel hindurch und macht uns darum die Güter zu eigen, die im Himmel sind.

Die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahret werdet. – Bemerkenswert ist die gegenseitige Beziehung der Aussagen: Wir werden auf Erden bewahrt, während unser Erbe im Himmel behütet wird. Ohne diesen Zusammenklang müsste ja sofort der Gedanke sich einschleichen: Was nützt es, dass das Heil für uns im Himmel verwahrt liegt, während wir in der Welt wie in einem rasenden Meer umgetrieben werden? Was nützt es, dass unser Heil in sicherem Hafen sich befinden soll, während uns tausend Schiffbrüche dahin reißen? Derartigen Einwänden kommt der Apostel zuvor, indem er lehrt, dass wir trotz aller Gefahren der Welt durch den Glauben bewahrt werden; sind wir dem Tode auch noch so nahe, so bleiben wir doch sicher unter der Hut des Glaubens. Freilich schwankt bei der Schwachheit des Fleisches oft selbst der Glaube. So müssten wir im Blick auf den folgenden Tag immer in Angst schweben, wenn nicht auch in diesem Stück der Herr uns zu Hilfe käme. Wir sehen, wie im Papsttum die teuflische Meinung um sich gegriffen hat, dass man an seiner endlichen Beharrung zweifeln müsse, weil wir ja ungewiss seien, ob wir morgen noch in der gleichen Gnade stehen werden. Petrus aber lässt uns nicht in dieser Schwebe. Denn eben darum behauptet er, dass wir durch Gottes Kraft aufrecht stehen, damit nicht ein Zweifel, der aus dem Bewusstsein eigener Schwachheit entspringt, uns beirre. Mögen wir also noch so schwach sein, so wankt doch unser Heil nicht, weil es durch Gottes Kraft gestützt wird. So deckt uns auf der einen Seite der Glaube, auf der andern ruht eben dieses Glaubens Festigkeit auf Gottes Kraft. Daraus erwächst Sicherheit nicht bloß aus der Gegenwart, sondern auch für die Zukunft.

Zur Seligkeit. – Weil wir von Natur ungeduldig sind, unterliegen wir bei jedem Verzug dem Überdruss. Darum erinnert der Apostel, dass unser Heil nicht etwa darum ausbleibt, weil es noch nicht fertig wäre, sondern weil die rechte Zeit der Offenbarung noch nicht gekommen ist. Diese Belehrung will unsere Hoffnung nähren und aufrechterhalten. Der Tag des Gerichts wird als die letzte Zeit bezeichnet, weil man vor demselben noch nicht die Zurechtstellung aller Dinge erwarten darf. Denn in der Zwischenzeit ist noch alles im Werden. Allerdings ist anderwärts unter der letzten Zeit der ganze Zeitabschnitt seit Christi Wiederkunft verstanden (Hebräer 1.2). Diese Redeweise gründet sich auf einen Vergleich mit den früheren Zeitaltern; dagegen richtet sich der Blick des Petrus auf den gesamten Ablauf der Weltgeschichte.