KOLOSSER

Kolosser Kapitel 1 Teil IV

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Kolosser 1.18-20

Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde; er, welcher ist der Anfang und der Erstgeborene von den Toten, auf dass er in allen Dingen den Vorrang habe. Denn es ist das Wohlgefallen gewesen, dass in ihm alle Fülle wohnen sollte, und alles durch ihn versöhnt würde zu ihm selbst, es sei auf Erden oder im Himmel, damit er Frieden machte durch das Blut an seinem Kreuz durch sich selbst.

 

Das Haupt des Leibes. – Nachdem Paulus im Allgemeinen von Christi einzigartigem Vorrang und von Seiner Oberherrschaft über alle Geschöpfe geredet hat, kehrt er nun wieder zu dem zurück, was im Besonderen die Gemeinde angeht. Gewiss kann der Name „Haupt“ so verstanden werden und wird auch bald nachher in diesem Sinne gebraucht, dass, wie das Haupt am menschlichen Leibe gleichsam die Wurzel ist, von wo aus die Lebenskraft in alle Glieder sich ergießt, so der Gemeinde alles Leben aus Christus zufließt. Hier aber wird insbesondere von der Regierung der Gemeinde die Rede sein. Paulus will uns lehren, dass Christus allein die Macht hat, die Gemeinde zu regieren, so dass auf Ihn allein die Gläubigen aufsehen müssen, weil in Ihm allein die Einheit des Leibes begründet ist. An Ihm besitzt also die Gemeinde ihr Wirksam regierendes Haupt und bedarf weder des Papstes noch irgendeines anderen. Nicht einmal den Engeln räumt der Apostel solche Ehre ein.

Der Anfang ist Christus, weil Er der Erstgeborene von den Toten ist. Denn in der Auferstehung liegt die Wiederherstellung aller Dinge, und die ist so der Anfang einer zweiten und neuen Erschaffung, weil die erste in dem Fall des ersten Menschen auf hingefallen war. Weil also Christus in Seiner Auferstehung das Reich Gottes angefangen hat, wird Er mit Recht der Anfang genannt. Der Erstgeborene von den Toten heißt Er übrigens nicht nur, weil Er zuerst auferstanden ist, sondern weil Er auch den anderen das Leben wieder erworben und wiedergegeben hat. So wird Er in 1. Korinther 15.20 genannt der Erstling unter denen, die da schlafen und auferstehen werden.

Damit er in allen Dingen – oder auch über alle Geschöpfe – den Vorgang, d.h. Vortritt habe. Denn wenn Er aller Dinge Urheber und Wiederhersteller ist, so muss Ihm notwendig diese Ehre gebühren und alles Seiner Herrschaft untertan sein.

Denn es ist das Wohlgefallen gewesen, dass in ihm alle Fülle wohnen sollte. – Um das, was er von Christus gerühmt hat, desto fester zu begründen, fügt Paulus noch hinzu, dass es also von Christus Vorsehung bestimmt ward. Und gewiss, damit wir dies Geheimnis in Ehrfurcht anbeten, müssen wir zu jener Quelle hingeführt werden. Er sagt also: Das ist nach Gottes Ratschluss geschehen, dass in Christus alle Fülle wohnt, nämlich der Gerechtigkeit, Weisheit, Kraft und aller Güter. Denn alles, was Gott hat, das hat Er Seinem Sohne übergeben, damit Er in diesem verherrlicht werde (siehe Johannes 5.20). Zugleich empfangen wir damit eine Mahnung, alles Gute, was wir zu unserem Heil erbitten, allein aus Christi Fülle zu schöpfen. Denn also ist es von Gott bestimmt worden, dass Er sich und Seine Güter nicht anders als durch Seinen Sohn den Menschen mitteilen will. Kurz zusammengefasst: Christus ist uns alles, außer Ihm haben wir nichts. Daraus folgt, dass alle, welche Christus herabsetzen oder Seine Kraft schmälern oder Seiner Ämter Ihn berauben oder endlich von dieser Fülle nur einen Tropfen wegnehmen, soviel an ihnen ist, den ewigen Ratschluss Gottes umstoßen.

Damit er Frieden machte durch das Blut an seinem Kreuz durch sich selbst. – Vom Vater sagt der Apostel, dass Er Seinen Geschöpfen versöhnt worden sei durch das Blut Christi. Dasselbe heißt Blut an seinem Kreuz, weil es dadurch Pfand und Preis unserer Versöhnung mit Gott geworden ist, dass es am Kreuze vergossen wurde. Denn der Sohn Gottes musste zum Sühnopfer werden und die Schuld unserer Sünde auf sich nehmen, damit wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt (2. Korinther 5.21). Es ist also von dem Blute des Opfers die Rede, das zur Versöhnung des Zornes Gottes am Kreuze geschlachtet ward. Der Zusatz durch ihn selbst will nur das vorher schon Gesagte noch bestimmter ausdrücken und unseren Herzen noch tiefer einprägen, nämlich: Christus ist mit Ausschluss aller anderen Mittel der einzige Urheber unserer Versöhnung. Es ist ja kein anderer für uns gekreuzigt; folglich ist auch Er es allein, durch den und um dessentwillen wir einen versöhnten Gott haben.

Es sei auf Erden oder im Himmel. – Wenn man dies auch von allen Geschöpfen ohne Ausnahme verstehen kann, so sind hier doch wohl insbesondere die vernünftigen Geschöpfe gemeint, die Engel und die Menschen. Dass diese letzteren eines Friedensstifters bei Gott bedürfen, ist klar. Aber auch die Engel? Wozu eine Versöhnung, wo kein Zwiespalt und keine Feindschaft ist? Darum haben einige diese Stelle so ausgelegt: Die Engel seien wieder in Übereinstimmung mit den Menschen versetzt und so die himmlischen mit den irdischen Geschöpfen versöhnt worden. Aber dem widerspricht der Wortlaut: Gott hat alles zu ihm selbst, d.h. mit sich versöhnt. Wir müssen also zusehen, welches die Versöhnung der Engel und welches die der Menschen ist. Die Menschen sind mit Gott versöhnt worden, weil sie vorher durch die Sünde von Ihm abgefallen waren und Er sich zu ihrem Verderben als ihr Richter hätte erweisen müssen, wenn nicht die Gnade des Mittlers für sie eingetreten wäre und Seinen Zorn versöhnt hätte. Zwischen Gott und den Menschen ist also der Friede in dem Sinne zu Stande gekommen, dass Christus die Feindschaft aufhob und Gott aus unserem Richter unserer Vater wurde. Ganz anders liegt das Verhältnis zwischen Gott und den Engeln. Denn hier ist kein Abfall, keine Sünde, daher auch keine Scheidung. Und doch bedurften auch die Engel aus zwei Gründen des „Friedens machen“ mit Gott. Denn da sie Geschöpfe sind, waren sie der Gefahr des Falles nicht enthoben, wenn sie nicht durch Christi Gnade befestigt worden wären. Für die Beständigkeit aber ihres Friedens mit Gott ist es sehr wichtig, in einem also gesicherten Stande der Gerechtigkeit sich zu befinden, dass kein Fall oder Abfall von Gott ferner zu fürchten ist. Sodann besitzt selbst der Gehorsam, in welchem die Engel Gott dienen, keine solche unbedingte Vollkommenheit, dass er in allen Stücken Gott genügte und keiner Verzeihung bedürfe. Das geht ohne Zweifel aus dem Wort Hiob 4.18 hervor: an seinen Engeln findet er Torheit. Wenn dies vom Teufel gesagt sein sollte, was wäre es Sonderliches? Vielmehr verkündigt hier der Heilige Geist, dass auch die höchste Reinheit unrein ist, wenn sie an der Gerechtigkeit Gottes gemessen wird. Wir müssen also festhalten, dass auch die Engel nicht eine solche Gerechtigkeit besitzen, die zu ihrer völligen Vereinigung mit Gott ausreicht, und das daher auch sie eines Friedensstifters bedürfen, durch dessen Gnade sie Gott unzertrennlich anhangen. Daher hat Paulus recht, wenn er behauptet, dass nicht auf den Menschen allein Christi Gnade ruhe, sondern diese auch den Engeln zuspricht; und es geschieht dadurch den Engeln kein Unrecht, dass auch sie nur durch des Mittlers Wohltat völligen und beständigen Frieden mit Gott haben. Wollte jemand wegen des allumfassenden Ausspruchs die Frage aufwerfen, auch für die Teufel der Friedensstifter sei, so antworte ich: Nicht einmal für die Gottlosen! Doch räume ich einen Unterschied zwischen beiden in der Beziehung ein, dass diesen die Wohltat der Erlösung doch angeboten wird, jenen aber nicht. Aber dies hat mit Pauli Worten nichts zu tun, deren Inhalt kein anderer ist, als dass jegliche Verbindung irgendwelcher Geschöpfe mit Gott durch Christus allein sich vermittelt.