Jakobus 3.7-12
Denn alle Natur der Tiere und der Vögel und der Schlangen und der Meerwunder werden gezähmt und sind gezähmt von der menschlichen Natur; aber die Zunge kann kein Mensch zähmen, das unruhige Übel voll tödlichen Gifts. Durch sie loben wir Gott, den Vater, und durch sie fluchen wir den Menschen, die nach dem Bilde Gottes gemacht sind. Aus einem Munde gehen Loben und Fluchen. Es soll nicht, liebe Brüder, also sein. Quillt auch ein Brunnen aus einem Loch süß und bitter? Kann auch, liebe Brüder, ein Feigenbaum Ölbeeren oder ein Weinstock Feigen tragen? Also kann auch ein Brunnen nicht salzig und süß Wasser geben.
Denn alle Natur der Tiere und der Vögel und der Schlangen und der Meerwunder werden gezähmt und sind gezähmt von der menschlichen Natur; aber die Zunge kann kein Mensch zähmen, das unruhige Übel voll tödlichen Gifts. – Das Letztgesagte wird begründet. Dass der Satan mit einer sozusagen wunderbaren Wirksamkeit in der Zunge herrscht, wird damit dargetan, dass sie auf keine Weise zurechtgebracht werden kann. Das wird denn durch Gleichnisse ausgeführt. Es gibt kein noch so wildes und hitziges Tier, sagt Jakobus, das durch die Kunst der Menschen nicht gebändigt würde. Die Fische, obwohl sie einem anderen Element angehören, die so beweglichen, so umherschweifenden Vögel, ja sogar die Feinde des menschlichen Geschlechts, die Schlangen, gelingt es bisweilen zu zähmen. Also muss wohl irgendein geheimes Feuer aus der Hölle verborgen in der Zunge wohnen, wenn man sie doch nicht bezwingen kann. Was da über die wilden Untiere, die Schlangen usw. berichtet wird, ist nicht von allen zu beweisen. Genug ist es aber, dass die Kunst der Menschen auch einige von den wildesten Raubtieren zum Gehorsam bringt, und das ähnlicher Weise je und dann auch die Schlangen gebändigt werden. Deshalb braucht Jakobus auch beide Zeitformen, Gegenwart und Vergangenheit. Die Gegenwartsform gibt die Möglichkeit und Fähigkeit zu etwas an, die Vergangenheitsform dagegen die tatsächliche Erfahrung. Mit Recht folgt also, dass die Zunge voll ist von tödlichem Gift. In erster Linie ist dies alles auf den hier vorliegenden Fall zu beziehen, dass Leute, die selbst am abscheulichen Übel kranken, gänzlich verkehrter Weise sich das Zensor-Amt über andere anmaßen. Dessen ungeachtet ist es zugleich als allgemeine Regel festzuhalten: Wenn du dein Leben recht aufbauen willst, so musst du die größte Mühe auf die Zucht der Zunge verwenden. Kein Teil des Menschen ist schuldbeladener als sie!
Durch sie loben wir Gott, den Vater, und durch sie fluchen wir den Menschen, die nach dem Bilde Gottes gemacht sind. Aus einem Munde gehen Loben und Fluchen. Es soll nicht, liebe Brüder, also sein. – Ein sichtbarer Beweis dieses tödlichen Giftes ist die wunderbare Leichtigkeit, mit der die Zunge sich so wandelt. Während sie das Lob Gottes heuchelt, flucht sie Ihm gleich darauf in Seinem Bilde, indem sie Menschen schmäht. Denn wenn Gott über allen Seinen Werken gelobt werden soll, so muss dies zumal vom Menschen gelten; denn in Ihm leuchten Gottes Bild und Ehre besonders. Es ist eine unerträgliche Heuchelei, dass der Mensch dieselbe Zunge zum Lobe Gottes und zum Fluch gegen Menschen verwendet. Wo das Fluchen und Schmähen herrscht, da kann keine Anrufung Gottes stattfinden, da muss Sein Lob notwendigerweise aufhören. Denn das ist unfromme Entweihung des Gottesnamens, wenn eine gegen die Brüder giftige Zunge Ihn unter dem Vorwand des Lobes zu brauchen wagt. Wollen wir Ihn gebührend loben, so ist zuerst einmal der Fehler der Schmähsucht gegen den Nächsten zu bessern. Indessen ist neben dieser allgemeinen Lehre auch die besondere festzuhalten, dass jene strengen Zensoren, die nach süßem Lobe Gottes plötzlich jedes erdenkliche Lästerwort gegen ihre Brüder ausspeien, damit ihr Gift verraten. Gegenüber dem Einwurf, durch Adams Fall sei doch das Ebenbild Gottes im Menschen vernichtet, ist freilich zuzugestehen, dass es elendiglich geschändet ist, aber gewisse Züge erscheinen doch noch. Gerechtigkeit und sittliche Güte und die Fähigkeit, in freier, eigener Kraft das Gute zu wollen, sind freilich genommen, aber es bleiben viele hervorragende Gaben, mit denen wir die Tiere übertreffen. Wer deshalb wirklich Dienste und Ehre erweisen will, darf Menschen nicht schmähen.
Quillt auch ein Brunnen aus einem Loch süß und bitter? Kann auch, liebe Brüder, ein Feigenbaum Ölbeeren oder ein Weinstock Feigen tragen? Also kann auch ein Brunnen nicht salzig und süß Wasser geben. – Diese Gleichnisse werden angeführt zum Beweis, dass eine schmähsüchtige Zunge eine Art Ungeheuer sei, allem Naturlauf widersprechend und die überall sich zeigende, göttliche Ordnung verkehrend. Was einander entgegengesetzt ist, hat Gott so geschieden, dass die unbeseelten Dinge uns von wirrer Vermischung, wie sie eine zwiespältige Zunge darstellt, abschrecken müssen.