Jakobus 5.12
Vor allen Dingen aber, meine Brüder, schwört nicht, weder bei dem Himmel noch bei der Erde, noch mit keinem anderen Eid. Es sei aber euer Wort: Ja, das Ja ist; Nein, das Nein ist, auf dass ihr nicht unter ein Gericht fallt.
Vor allen Dingen schwört nicht. – Das war das fast allen Zeiten gemeine Laster, leichtsinnig und unbedacht zu schwören; denn bei unserer eingewurzelten Bosheit bedenken wir nicht, ein wie abscheuliches Verbrechen der Missbrauch des Namens Gottes ist. Streng hat Gott freilich die Ehrfurcht gegen Seinen Namen uns empfohlen, aber die Menschen klügeln allerlei Ausflüchte aus, um strafloses Schwören sich zu erlauben. Man erdichtet sich also, es sei nichts Schlimmes, wenn nur der Name Gottes nicht ausdrücklich dabei genannt werde. So glaubten die Juden, wenn sie bei Himmel und Erde schwuren, den Namen Gottes nicht zu missbrauchen, da sie Ihn ja verschwiegen. Aber wenn die Menschen klug sein wollen, um Gott zu täuschen, so haben sie sich nur selbst mit ihren frivolen Spitzfindigkeiten zum Besten. Gegen derartige Torheit richtete Christus Seinen Angriff (Matthäus 5.34). Nun lehrt uns Jakobus, dem Gebote seines Meisters folgend, jener verblümten Formeln uns zu enthalten, weil jeder Gottes Namen missbraucht, der einen leeren und auf Nichtiges bezogenen Schwur ausspricht, welchen täuschenden Schein er auch über seine Worte wirft. Kurz also: Es ist um nichts mehr erlaubt, bei Himmel und Erde zu schwören, als offen bei Gottes Namen. Der Grund wird von Christus ausgesprochen: Weil überall Gottes Herrlichkeit eingeschrieben steht und überall widerstrahlt. Ja, nicht in irgendeinem anderen Sinn noch in anderer Absicht brauchen die Menschen die Namen Himmel und Erde bei ihrem Eidschwur, als wenn sie Gott selber nennten! Mit ihrer Redeweise bezeichnen sie ja nur den Schöpfer von Seinen Werken her. „Vor allem“ heißt es, weil die Entheiligung des Namens Gottes kein leichtes Vergehen ist. Es wäre aber verkehrt, wollte man mit den Wiedertäufern aus diesem Wort eine Verurteilung jeden Eides ableiten. Denn Jakobus handelt hier ja nicht vom Schwören überhaupt, so wenig Christus das an dem angegebenen Orte tut, sondern beide widerlegen jene zur Umgehung des Gesetzes erfundene Spitzfindigkeit, mit der die Menschen sich die Erlaubnis zum Schwören bei dem nichtausgesprochenen Namen Gottes nehmen, eine Erlaubnis, die dem Verbot des Gesetzes widerspricht. Dies sagen doch deutlich die Worte: Weder bei dem Himmel, noch bei der Erde. Denn, wenn hier vom Eid überhaupt die Rede wäre, wozu wären dann diese Formeln angezogen? Es steht also fest, dass Christus sowohl wie Jakobus die kindische Pfiffigkeit der Leute tadeln, die straflos zu schwören meinten, wenn sie den eigentlichen Schwur mit Schlichen umgingen. Nach dem Sinn des Jakobus lasst uns also zunächst das Gebot festhalten: Du sollst Gottes Namen nicht unnützlich führen – aus dem hervorgeht, dass es einen rechten und gesetzmäßigen Gebrauch des Namens Gottes gibt. Nun verurteilt Jakobus diejenigen, die zwar nicht unmittelbar Gottes Namen zu missbrauchen wagen, aber auf Umwegen in Worten dem Missbrauch zu entgehen suchen, den das Gesetz verdammt.