Jakobus Kapitel 4 Teil I

    Jakobus 4.1-3

    Woher kommt Streit und Krieg unter Euch? Kommt’s nicht daher: aus euren Wollüsten, die da streiten in euren Gliedern? Ihr seid begierig, und erlangt’s damit nicht; ihr hasset und neidet, und gewinnt damit nichts; ihr streitet und krieget. Ihr habt nicht, darum dass ihr nicht bittet; ihr bittet und nehmt nicht, darum, dass ihr übel bittet, nämlich dahin, dass ihr’s mit euren Wollüsten verzehrt.

    Woher kommt Streit? – Bei dieser Verhandlung über den Frieden, dieser Erinnerung, die Fehler so zu beseitigen, dass dabei der Friede gepflegt wird, nimmt Jakobus die Gelegenheit wahr, zu den Zänkereien, mit denen die Christen sich gegenseitig das Leben verbitterten, herabzusteigen. Er zeigt, dass dieselben viel eher ihre Quellen in ihren unordentlichen Begierden als in ihrem Eifer für das Gute haben. Wenn ein jeder sich in Zucht hielte, würden sie einander nicht aufreizen. Aus dem straflosen Wuchern ihrer Lüste erklärt sich das Aufflackern ihrer Streitigkeiten. Wenn jeder sich des Unrechtes enthielte, würde der Friede unter uns also größer sein. Die in uns herrschenden Laster sind für unsere Zänkereien gleichsam die kampflustigen Kriegsknechte. Mit den Gliedern meint Jakobus alle unsere Lebensgebiete. Unter den Wollüsten versteht er die unerlaubten und genusssüchtigen Triebe, die nur mit dem Unrecht, das andere erleiden müssen, gesättigt werden können.

    Ihr seid begierig, und erlangt’s damit nicht. – Jakobus scheint sagen zu wollen, des Menschen Seele sei nicht auszufüllen, wenn er seinen schlechten Lüsten nachgibt. In der Tat ist es auch so. Wer seine Triebe wuchern lässt, findet kein Maß für sein Begehren. Und wenn ihm eine Welt gegeben würde, so würde er begehren, dass neue Welten für ihn geschaffen würden. So geschieht es, dass die Menschen sich Foltern schaffen, die aller Mörder Grausamkeit übertreffen. Jenes Dichterwort [Horatio; Episteln I.1; II, 58], dass es keine tyrannischere Folter gebe als den Neid, entspricht in der Tat der Wahrheit. Wollen einige Handschriften statt „ihr neidet“ lesen: „ihr tötet“, so zweifle ich nicht, dass das falsch ist. Das Töten passt in keiner Weise in den Zusammenhang.

    Ihr streitet. – Dabei denkt Jakobus nicht an Kriege und Schlachten, die man mit dem Schwert ausficht, sondern an jedwede Art selbstsüchtigen Wettstreits, durch den einer zum Schaden anderer seinen Aufstieg sucht. Die Strafe für solche Bosheit zeigt ihnen Jakobus in der gänzlichen Erfolglosigkeit derartigen Ringens. Verdientermaßen macht Gott ihre Anstrengungen zunichte, da sie Ihn nicht als den Geber aller Güter anerkennen. Mit einem so gottlosen Streiten bemühen sie sich ja in der Tat, mehr durch Teufels Segen reich zu werden als durch Gottes Wohltat. Der eine erstrebt sein Glück durch Betrug, der andere durch Gewalttat, der dritte durch Verleumdung, alle durch böse und verbrecherische Künste. Glücklich wollen sie werden, aber nicht von Gott her. So ist es kein Wunder, dass sie in der Tat bei allem Eifer doch zurückkommen. Glücklichen Erfolg kann man doch nur von Gottes Segen erwarten.

    Ihr bittet und nehmt nicht. – Weiter: Auch wenn sie das Gebet anwenden, so sind sie doch der Abweisung würdig, weil sie ja Gott zum Diener ihrer Lüste zu machen begehren. Halten sie doch auch ihr Gebet nicht in den von Gott vorgeschriebenen Schranken. Vielmehr stürzen sie sich mit zügelloser Dreistigkeit darauf, solche Genüsse zu fordern, bei denen jeder Gedanke an einen Mitwisser schon ein tiefes Gefühl der Scham hervorruft. Irgendwo zieht Plinius [Plinius der Jüngere, 100 n.Ch.] diese Frechheit ins Lächerliche, und zwar verdientermaßen: Menschen missbrauchen so schamlos Gottes Gehör! Erst recht unerträglich ist ein derartiges Gebaren bei Christen, die vom himmlischen Herrn doch des Gebetes Regel empfangen haben. Sicherlich kann bei uns keine Ehrfurcht, keine Scheu, keine Achtung vor Gott sich finden, wenn wir solches von Ihm zu bitten uns unterstehen, was schon unser eigenes Gewissen uns abschlägt. Kurzum, das will Jakobus, dass wir unsere Begierden im Zaum halten. Man zügelt sie aber, wenn man sie unter Gottes Joch bringt. Was wir mit Zucht begehren, sollen wir dann von Gott selbst erbitten. Wenn wir es so machen, dann werden wir uns von schlechten Konkurrenzkämpfen, von Betrug und Gewalttat, von allem Unrecht im gegenseitigen Verkehr fernhalten.

     

    Wir benutzen Cookies

    Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.