2. Petrus 3.14-18
Darum, meine Lieben, dieweil ihr darauf warten sollt, so tut Fleiß, dass ihr von ihm unbefleckt und unsträflich im Frieden erfunden werdet; und die Geduld unseres Herrn achtet für eure Seligkeit; als auch unser lieber Bruder Paulus nach der Weisheit, die ihm gegeben ist, euch geschrieben hat, wie er auch in allen Briefen davon redet, in welchen sind etliche Dinge schwer zu verstehen, welche die Ungelehrigen und Leichtfertigen verdrehen, wie auch die anderen Schriften, zu ihrer eignen Verdammnis. Ihr aber, meine Lieben, weil ihr das zuvor wisst, so verwahrt euch, dass ihr nicht durch den Irrtum der ruchlosen Leute samt ihnen verführt werdet, und entfallt aus eurer eigenen Festung. Wachst aber in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi. Demselbigen sei Ehre nun und zu ewigen Zeiten! Amen.
Darum, meine Lieben, dieweil ihr darauf warten sollt, so tut Fleiß, dass ihr von ihm unbefleckt und unsträflich im Frieden erfunden werdet. – Petrus leitet von der Hoffnung über zu ihrer Frucht, das ist zum Eifer in gottseligem Wandel. Die Hoffnung ist ja lebendig und wirksam. Sie muss uns notgedrungen mit fortreißen. Wer also auf den neuen Himmel wartet, der muss bei sich selbst mit der Erneuerung beginnen und mit allem Fleiß ihr nachjagen. Wer aber im Schmutze liegen bleibt, der hat sicherlich keine Gedanken für das Reich Gottes und hat nur Geschmack für die vergängliche Welt. Bemerkenswert ist, dass wir von Christus unsträflich erfunden werden sollen. Die anderen haben nur Augen und Ohren für die Welt. Wir aber sollen auf den Herrn schauen. Zugleich zeigt Petrus, worin die wahre Beschaffenheit besteht; nämlich nicht in dem, was der Welt Lob auf sich zieht, sondern in dem, was Gottes Wohlgefallen erregt.
Mit „Friede“ bezeichnet der Apostel die Gewissensruhe, die sich auf der Hoffnung und Geduld aufbaut. Wenn so wenige nach dem Wohlgefallen Gottes fragen, so kommt das daher, dass sie, wenn sie sich von ihren heißen Leidenschaften fortreißen lassen, auch zugleich voll Unruhe sind. Dieser Friede besteht also in der Stille der zum Frieden gekommenen Seele, die in Gottes Wort ruht. Es fragt sich: Wie kann einer von Christus unsträflich erfunden werden, da wir doch alle an so unzähligen Lastern kranken? Aber Petrus weist hier nur auf das Endziel, nach dem die Gläubigen trachten sollen. Sie können es aber erst erlangen, wenn sie, ganz frei von ihrem Fleische, völlig Christus einverleibt sind.
Die Geduld unseres Herrn achtet für eure Seligkeit. – Petrus hegt keinen Zweifel daran, dass Christus den Tag Seines Kommens darum verzögert, weil Er unser Heil im Auge hat. Dadurch ermutigt Er die Gläubigen, in Seinem längeren Verziehen ein Pfand ihres Heils zu erblicken.
Als auch unser lieber Bruder Paulus nach der Weisheit, die ihm gegeben ist, euch geschrieben hat, wie er auch in allen Briefen davon redet. – Mit Leichtigkeit kann man aus vielen Stellen, besonders im Galaterbrief, ersehen, dass leichtfertige Menschen, die da und dort auftauchten und die Gemeinden zu verwirren trachteten, in dem Verlangen, sie dem Paulus zu entfremden, das zum Vorwand benutzten, dass er sich mit den anderen Aposteln nicht gut zu stellen wisse. Sehr wahrscheinlich hat darum Petrus den Paulus erwähnt, um zu bezeugen, dass sie beide eines Sinnes seien. Denn es war äußerst nötig, jedem Anhaltspunkt zu solchen Verleumdungen seine Bedeutung zu entziehen. Wenn ich jedoch alles genauer erwäge, wird es mir wahrscheinlicher, dass dieser Brief im Sinne des Petrus von einem andern verfasst wurde, als dass er von ihm selbst geschrieben wäre. Petrus hätte nie so gesprochen. Aber es genügt mir, für seine Lehre wie für seine Willensmeinung ein Zeugnis zu besitzen, das in nichts von dem abweicht, was er selbst geredet haben würde.
In welchen sind etliche Dinge schwer zu verstehen, welche die Ungelehrigen und Leichtfertigen verdrehen, wie auch die anderen Schriften, zu ihrer eignen Verdammnis. – Wenn die Anführungen des Paulus über die Dinge, von denen die Rede ist, zuweilen schwer zu verstehen sind, so dient uns dies zur Mahnung, mit nüchternem Sinn über jene ebenso hohen wie verborgenen Dinge nachzudenken, und stärkt uns zugleich im Kampf gegen dieses Ärgernis, auf dass uns keine törichten, verwerflichen Grübeleien irgendwelcher Art in Bestürzung versetzen. Denn so machen gewisse Leute die einfache Lehre, die der Erbauung dienen sollte, verwickelt und verdreht. Darum wollen wir uns aber nicht abhalten lassen, die Briefe des Paulus zu lesen, weil sie etwa manche hohe und schwer verständliche Stücke enthalten. Aber wir müssen einen ruhigen, gelehrigen Sinn mitbringen, wenn wir sie lesen wollen. Petrus verdammt die oberflächlichen, flüchtigen Menschen, die das, was ihnen nützlich ist, zu ihrem Verderben verkehren und verdrehen. Ja, er sagt, dieser Missbrauch werde überhaupt mit der ganzen Schrift getrieben. Doch folgert er nicht daraus, dass man sie beiseitelegen solle, sondern lehrt nur, die Übelstände abzustellen, die uns des gesegneten Gebrauchs berauben. Und nicht allein das tun sie, sie machen uns geradezu ein tödliches Gift aus dem, was Gott uns zum Heile geordnet hat. Man könnte fragen: Woher kommt diese Dunkelheit? Die Schrift leuchtet uns doch wie eine Fackel und lässt uns sichere Schritte tun. Ich antworte: Es ist kein Wunder, wenn Petrus den Geheimnissen des Reiches Christi eine gewisse Dunkelheit zuschreibt, zumal wenn man bedenkt, wie verborgen diese dem fleischlichen Sinn sind. Doch lässt Gott diejenigen in der Schrift ein klares Licht finden, die gern dem Heiligen Geist als Führer auf dem Lebensweg folgen. Viele sind indessen so blind, dass sie sich am hellen Tage daran stoßen. Andere sind stolz und streifen bald da bald dort auf unwegsamen Pfaden, und mitten im höchsten Fluge stürzen sie in den jähen Abgrund.
Ihr aber, meine Lieben, weil ihr das zuvor wisst, so verwahrt euch, dass ihr nicht durch den Irrtum der ruchlosen Leute samt ihnen verführt werdet. – Bisher hat Petrus den Gläubigen die Gefahren vor Augen geführt, vor denen sie sich hüten sollen. Jetzt fordert er sie auf, seiner Mahnung zu gehorchen und weise zu sein. Wachsamkeit tut Not, wenn man keine Niederlagen erleiden soll. Und die Verschmitztheit unseres Feindes, die vielseitigen, mannigfaltigen Nachstellungen, mit denen er uns verfolgt, und die Fangkünste gottloser Menschen lassen ja keinen Raum für Sorglosigkeit. Also muss man auf der Warte stehen, damit nicht des Teufels und der Gottlosen Trügerei uns umgarne und überwältige.
Die Gewissheit unseres Heils scheint auf schlüpfrigem Boden zu stehen und gleichsam nur an einem Faden zu hängen, wenn der Apostel den Gläubigen anbefiehlt: Verwahret euch, dass ihr nicht entfallet aus eurer eignen Festung. Was geschieht aber mit uns, wenn wir der Gefahr unterliegen und zu Falle kommen? Ich antworte: Diese und ähnliche Mahnungen haben durchaus nicht den Zweck, unsere Glaubenssicherheit, die auf Gott ruht, ins Wanken zu bringen, sondern den Zweck, unserer Fleischesträgheit Abbruch zu tun (vergleiche 1. Korinther 10). Solange wir im Fleische sind, muss unsere Trägheit aufgerüttelt werden. Und das geschieht so recht eigentlich, wenn uns unsere Schwachheit und die verschiedenartigen Gefahren, in denen wir stehen, vor Augen gestellt werden. Übrigens erschüttert dies keineswegs das Vertrauen auf Gottes Verheißungen.
Wachst aber in der Gnade. – Petrus mahnt zum Wachstum. Immer vorwärtsschreiten, nicht mitten auf dem Wege liegen bleiben – nur so kann man beharren! Sicher ist allein, wer täglich vorwärts zu kommen sich bemüht. „Gnade“ befasst im Allgemeinen die geistlichen Gaben, die man durch Christus empfängt. Da wir aber nach dem Maß unseres Glaubens der Güter Christi teilhaftig werden, steht neben der Gnade die Erkenntnis. Mit dem Glauben wächst die Gnade.
Demselbigen sei Ehre nun und zu ewigen Zeiten! Amen. – Das ist ein herrlicher Lobpreis auf Christus, der Seine Gottheit bezeugen soll. Denn ein solcher gebührt allein Gott. „Nun“ sagt der Apostel, damit wir Christus nicht um Seine Ehre bringen, solange wir noch im Streit mit dieser Welt liegen. Das folgende Wort „zu ewigen Zeiten“ lässt uns schon jetzt Sein ewiges Reich ins Auge fassen, das uns dereinst den Vollglanz Seiner Ehre offenbaren wird.