2. Petrus 3.9-13
Der Herr verzieht nicht die Verheißung, wie es etliche für einen Verzug achten, sondern er hat Geduld mit uns und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass sich jedermann zur Buße kehre. Es wird aber des Herrn Tag kommen als ein Dieb in der Nacht, in welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden verbrennen. So nun das alles soll zergehen, wie sollt ihr denn geschickt sein mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen, dass ihr wartet und eilet zu der Zukunft des Tages des Herrn, in welchem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden? Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Erde nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnet.
Der Herr verzieht nicht die Verheißung, wie es etliche für einen Verzug achten, sondern er hat Geduld mit uns. – Auf andere Weise hält Petrus die allzu große, verkehrte Eile im Zaum: Der Herr verschiebt Sein Kommen deshalb, um das ganze Menschengeschlecht zur Buße zu rufen. Wir sind immer lüstern, und dann regt sich der Zweifel, warum Er denn nicht rascher komme? Aber wenn wir hören, dass der Herr für unser Heil besorgt ist, wenn Er verzieht, und darum verzieht, weil Er um uns sorgt, so haben wir keinen Grund mehr, über Sein Zögern zu klagen. Zauderer nennen wir den, der aus Trägheit eine Gelegenheit vorübergehen lässt. Bei Gott ist es nicht so; Er verwendet die Zeit aufs Beste zu unserm Heil. Und über die Dauer der ganzen Welt muss man ebenso denken wie über das Leben eines beliebigen Menschen. Denn Gott verlängert die Frist für den Einzelnen und trägt ihn so lange, bis er zu Verstand kommt. Ähnlich beschleunigt Er auch nicht das Ende der Welt, weil Er allen Frist geben möchte, zu Verstand zu kommen. Das legt uns sehr nahe, die Zeit recht auszukaufen, da wir sonst für die Trägheit eine gerechte Strafe erleiden müssen.
Und will nicht, dass jemand verloren werde. – Seht die wunderbare Liebe Gottes gegen das Menschengeschlecht: Er will, dass alle gerettet werden, und ist bereit, die zum Heil zu führen, die sonst zu Grunde gehen würden! Achte auf den Weg, den Gott einschlägt: Zur Buße will Er alle leiten, damit keiner umkomme. Da ist deutlich der Heilsweg gewiesen. Wer von uns daher dem Heil nachjagt, der muss diesen Weg gehen lernen. Hier liegt die Frage nahe: Wenn Gott nicht will, dass jemand verloren werde, warum gehen dann doch so viele verloren? Ich sage: Hier handelt es sich nicht um den verborgenen Willen Gottes, nach dem die Verworfenen zum Untergang bestimmt sind, sondern nur um Seinen Willen, wie Er im Evangelium offen vor uns liegt. Gott streckt da allen ohne Unterschied Seine Hand entgegen. Aber nur die ergreift Er, um sie zu sich zu führen, welche Er vor Grundlegung der Welt erwählt hat.
Es wird aber des Herrn Tag kommen als ein Dieb in der Nacht, in welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen. – Die Gläubigen sollen immer auf der Warte stehen und sich nicht mit „morgen“ vertrösten. Wir leiden fast alle an zwei ganz entgegen gesetzten Fehlern: An allzu großer Eile und allzu großer Trägheit. Die Ungeduld packt uns, wenn wir an den Tag Christi denken, und wir verlangen, er müsse schon jetzt anbrechen. Zugleich schieben wir ihn aber in unserer Sicherheit weit von uns. Wie darum der Apostel früher den ungeduldigen Feuereifer gedämpft hat, so rüttelt er uns jetzt aus unserer Schläfrigkeit auf, damit wir jederzeit des Kommens Christi gewärtig seien. Denn woher kommt es, dass das Fleisch sich selbst zu willen ist, außer daher, dass es sich keine Gedanken über die Nähe der Kommens Christi macht?
Was von dem Brand des Himmels und der Erde gesagt ist, bedarf keiner langen Erklärung, sofern es uns ja nur um die Meinung des Apostels zu tun ist. Er will hier nämlich keine gründliche Erörterung über Feuer, Sturm und andere Erscheinungen geben, sondern nur die Mahnung daran schließen: Unterlasst nicht, nach Erneuerung des Lebens zu streben! Himmel und Erde sollen durch den Brand gereinigt werden, damit sie eine geeignete Stätte für Christi Reich würden. Darum ist für die Menschen eine Erneuerung eine weit größere Notwendigkeit. Das sind schlimme Erklärungen, die viel Mühe auf geistreiche Spitzfindigkeiten verwenden. Für den Apostel gibt all das ja nur den Ausgangspunkt für Mahnungen zur Gottseligkeit. Himmel und Erde, sagt er, werden unsertwegen vergehen. Wollen wir nun mit der Erde untergehen, oder ziehen wir es nicht weit vor, auf heiligen Wandel und gottseliges Wesen bedacht zu sein? Die Verderbnis von Himmel und Erde wird durch Feuer beseitigt, und doch sind die Schöpfungen Gottes rein. Was muss da mit uns geschehen, die so tief im Schmutz stecken?
Die Elemente, die Grundstoffe der Welt, werden nun vergehen, um gleichsam eine neue Beschaffenheit zu gewinnen; ihr Kern aber bleibt (vergleiche Römer 8.21).
Dass ihr wartet und eilet. – Was seither getrennt war, wird nun zusammengefügt: Wir sollen warten, eilig und doch ruhig, wie das Sprichwort sagt: „Eile mit Weile.“ „Dass ihr wartet“ bezieht sich auf die Geduld der Hoffnung. Denn wie der Hoffnung Schweigen und Ruhe eigen ist, so muss man sich hüten, dass nicht die Sicherheit des Fleisches die Oberhand gewinne. Man muss darum eifrig gute Werke tun und eilig in der Bahn seiner Berufung laufen.
Am Tage des Herrn wird sich Christus erheben, um das Reich dem Vater zu übergeben, damit Gott sei alles in allen.