2. Petrus Kapitel 2 Teil I

    2. Petrus 2.1-3

    Es waren aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch sein werden falsche Lehrer, die neben einführen werden verderbliche Sekten, und verleugnen den Herrn, der sie erkauft hat, und werden über sich selbst führen eine schnelle Verdammnis. Und viele werden nachfolgen ihrem Verderben; um welcher willen wird der Weg der Wahrheit verlästert werden. Und durch Geiz mit erdichteten Worten werden sie an euch Gewinn suchen; welchen das Urteil von lange her nicht säumig ist, und ihre Verdammnis schläft nicht.  

    Es waren aber auch falsche Propheten. – Leute mit schwachem Gewissen werden gewöhnlich sehr erschüttert und gefährdet, wenn sich falsche Lehrer erheben, welche die Glaubenslehre verderben oder zerstückeln. Der Apostel musste derartige Ärgernisse beseitigen, da er ja die Gläubigen zur Standhaftigkeit ermahnen wollte. Er tröstet die, an welche sein Brief sich wendet, und stärkt sie mit dem Hinweis darauf, dass Gott immer Seine Gemeinde durch solche Versuchungen geübt habe. Sollten doch ihre Herzen nicht durch das Neue in Unruhe versetzt werden! Nicht anders, sagt er, wird es der Gemeinde unter der Herrschaft des Evangeliums ergehen, als es einst unter der Herrschaft des Gesetzes gewesen ist. Falsche Propheten haben die alttestamentliche Gemeinde in Verwirrung gebracht. Dasselbige haben wir zu gewärtigen. Das musste nachdrücklich betont werden. Denn viele träumten von einem gar ruhigen Leben der Gemeinde unter dem Zepter Christi. Weil die Propheten mit Seiner Ankunft dauernden Frieden, höchstes Licht himmlischer Weisheit und völlige Wiederherstellung aller Dinge verhießen, so glaubte man nicht, dass die Gemeinde noch irgendwelchen Streitigkeiten preisgegeben sein werde. Wir sollen daran gedenken, dass Gottes Geist einmal voraus verkündet hat, die Gemeinde werde niemals von diesem Übel, das in ihrem Innern wuchert, unangetastet bleiben, und uns immer daran erinnern, dass auch wir wie die Väter einer Glaubensprüfung unterliegen, damit es wie bei ihnen so auch bei uns dadurch an den Tag komme, ob wir Gott wahrhaft lieben, wie man auch 5. Mose 13.3 lesen kann: „Der Herr, euer Gott, versucht euch, dass er erfahre, ob ihr ihn von ganzem Herzen und von ganzer Seele lieb habt.“ Einzelne Beispiele anzuführen, ist überflüssig. Es genügt, im Allgemeinen festzuhalten, dass es unsere Pflicht ist, nach dem Beispiel der Väter gegen gottlose Lehren zu streiten. Durch Spaltungen und Sektiererei darf unser Glaube durchaus nicht ins Wanken kommen. Denn unter den stürmischen Treibereien, durch die der Teufel so oft alles auf den Kopf zu stellen sucht, steht die Wahrheit Gottes nichtsdestoweniger unerschüttert da.

    Wir wollen darauf achten, dass Petrus nicht eine bestimmte Zeit angibt, wenn er sagt: „Wie auch unter euch sein werden falsche Lehrer.“ Er fasst vielmehr alle Zeiten ins Auge, wie er auch die Christen mit dem Bundesvolk vergleicht. Diese Lehre passt auch für unsere Zeit, auf dass uns nicht die Versuchung zu Fall bringe, wenn wir mit ansehen müssen, wie falsche Lehrer die Wahrheit Gottes bekämpfen. Übrigens mahnt uns deshalb der Geist Gottes zu angestrengter Wachsamkeit. Diesen Zweck hat auch die ganze folgende Beschreibung. Der Apostel malt nicht einzelne Sekten mit ihren Farben, sondern richtet seine Rede insbesondere wider gottlose Leute, welche zur Verachtung Gottes anleiten. Er will ganz im Allgemeinen vor falschen Lehrern warnen. Aber er wählt eine Art aus, von der die größte Gefahr drohte. Der Judasbrief, welcher von demselben Gegenstand handelt, kennzeichnet sie noch deutlicher.

    Die neben einführen werden verderbliche Sekten. – Damit beschreibt Petrus die Schlauheit des Teufels und aller Gottlosen, die unter seinem Banner kämpfen: Sie arbeiten mit versteckten Winkelzügen, gleichsam wie Minen. Deshalb ist den Frommen desto größere Wachsamkeit geboten, damit sie auch solchen heimlichen Listen entrinnen. Denn mögen sich jene noch so sehr anstrengen, so können sie doch die nicht überwältigen, welche eifrig auf der Wache stehen.

    Die Sekten nennt der Apostel verderblich, wie ja ein jeder, dem sein Heil am Herzen liegt, vor solchen Sekten als einer sehr schädlichen Krankheit zurückschreckt. Was übrigens das Wort Sekte oder Spaltung anlangt, so war dies bei den Kindern Gottes mit Recht immer berüchtigt und gehasst. Denn Gottes schlichte Wahrheit ist ein Band heiliger Einheit. Sobald man davon abweicht, bleibt nur schreckliche Zersplitterung.

    Und verleugnen den Herrn, der sie erkauft hat. – Christus wird auf mancherlei Weise verleugnet. Doch meint Petrus hier die Art, von der Judas spricht (Vers 4): „Sie ziehen die Gnade unseres Gottes auf Mutwillen.“ Denn Christus hat uns erkauft zu einem Volk, das losgetrennt ist von aller Unreinigkeit der Welt, bestimmt zur Heiligkeit und Unschuld. Wer nun den Zügel abwirft und sich in alle Ungebundenheit stürzt, von dem heißt es nicht mit Unrecht: Er verleugnet Christus, durch den er erkauft ist. Damit also die Lehre des Evangeliums rein und lauter bei uns bleibe, muss es fest in unser Herz geschrieben sein: Wir sind durch Christus erkauft, auf dass Er unser Herr sei im Leben und im Sterben. Darum ist uns auch dies Ziel gesteckt: Ihm zu leben und zu sterben. Und die Verdammnis wird schnell über jene hereinbrechen, damit die andern nicht mit ihnen zu Fall kommen.

    Und viele werden nachfolgen ihrem Verderben. – Es ist kein geringes Ärgernis für die Schwachen, wenn sie sehen, wie den falschen Lehrern allgemeiner Beifall gezollt und eine ungeheure Schar von Menschen mit fortgerissen wird, so dass nur wenige in dem lauteren Gehorsam gegen Christus beharren. Auch heutzutage erregt gottesfürchtige Seelen nichts mehr als ein solcher Abfall. Denn kaum der zehnte Teil derer, die den Namen Christen tragen, bewahrt den lauteren Glauben bis ans Ende. Fast alle sind vom Verderben angefressen und wandeln, von den Predigern der Zügellosigkeit verlockt, auf dem breiten Weg. Damit wir nun nicht in unserm Glauben erschüttert würden, sagt Petrus beizeiten, es werde so kommen, dass die gottlosen Lehrer viele mit sich ins Verderben reißen.

    Um welcher willen wird der Weg der Wahrheit verlästert werden. – Wenn die Menschen zur Gottesfurcht, zu einem einwandfreien Lebenswandel, zur Keuschheit und Ehrbarkeit angehalten werden, oder wenigstens den Gottlosen der Mund gestopft wird, dass sie das Evangelium nicht schmähen, so dient dies zur Ehre der Frömmigkeit. Anderseits werden der Name und die Lehre Christi der Lästerung durch die Gottlosen preisgegeben, wenn die Zügel gelockert werden und man jeder Sinnlichkeit ungestraft frönen kann. Dadurch wird den Feinden Gottes Gelegenheit geboten, Gottes Wahrheit schamlos zu verlästern. Wären sie auch nicht imstande, selbst durch ihre Lästerungen an dem christlichen Bekenntnis zu rütteln, so geben sie doch anderen die Waffen der Lästerung in die Hand.

    Mit erdichteten Worten. – Auf jede Weise bemüht sich Petrus, die Gläubigen gegen die falschen Lehrer einzunehmen, damit sie dieselben desto schärfer und entschiedener von sich zurückweisen möchten. Schimpflicher können wir doch nicht behandelt werden, als dass man uns wie feile Sklaven zum Verkauf anbietet. Das geschieht aber, wenn uns einer die Bezahlung durch Christi Blut zu Schanden macht. „Erdichtet“ heißen die Worte der falschen Lehrer, weil sie mit vollendeter Kunst zur Täuschung zusammengefügt sind. Wer also nicht so töricht ist, dass er freiwillig sein Seelenheil an falsche Lehrer verkaufen will, der verschließe alle Türen vor ihren verkehrten Erfindungen. – Aus demselben Grunde nämlich, um die Guten von ihrer Gemeinschaft abzuschrecken, wiederholt der Apostel: Welchen das Urteil nicht säumig ist. Sind sie einem nahen Verderben geweiht, so steht jedem, der mit ihnen gemeinschaftliche Sache macht, nichts anderes bevor, als elendiglich zu Grunde zu gehen.