2. Petrus Kapitel 1 Teil IV

    2. Petrus 1.16-18

    Denn wir sind nicht klugen Fabeln gefolgt, da wir euch kundgetan haben die Kraft und die Zukunft unsers Herrn Jesu Christi, sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen, da er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm geschah von der großen Herrlichkeit: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel geschehen, da wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge.  

    Denn wir sind nicht klugen Fabeln gefolgt. – Es hebt unseren Mut außerordentlich, wenn wir das Bewusstsein haben, an einer zuverlässigen Sache zu arbeiten. Damit nun die Gläubigen bei ihrer Arbeit nicht meinen, sie schlügen in die Luft, so macht sich der Apostel jetzt daran, die Zuverlässigkeit des Evangeliums zu verkünden, und erklärt, dass er nichts weitergebe, als was er selbst erfahren habe und was unzweifelhaft glaubwürdig sei. Das soll die Leser zur Standhaftigkeit ermuntern, indem sie über den guten Fortgang ihrer Berufung sicherer gemacht werden. Zuerst führt Petrus an, dass er Augenzeuge sei, denn er habe mit eigenen Augen die Herrlichkeit Christi gesehen, die er verkündige. Dies stellt er den trügerischen Märchen gegenüber, wie sie oft verschlagene Menschen erdichten, um einfältige Seelen zu umgarnen. Wir wissen, welch großer Eifer auf nichtige Spitzfindigkeiten verwendet wird, nur weil man Gefallen daran findet. Darum muss man die Seelen mit nicht geringerem Ernst zu der ganz untrüglichen Wahrheit und der mitnichten läppischen Lehre führen, welche uns die Herrlichkeit des Sohnes Gottes in ihrer Verknüpfung mit unserem Heil offenbart.

    Die Kraft und die Zukunft unsers Herrn Jesu Christi. – Zweifellos will der Apostel mit diesen Worten den Inhalt des Evangeliums zusammenfassen, das ja nichts anderes enthält als Christus, in dem alle Schätze der Weisheit verborgen sind. Aber zwei Dinge hält er wohl auseinander; nämlich, dass Christus im Fleische war, und dann, worin Seine Kraft und Wirksamkeit besteht. Denn das ist der Vollgehalt des Evangeliums, zu wissen, dass Er, der einst als Erlöser verheißen war, aus dem Himmel gekommen, unser Fleisch angenommen, auf der Erde geweilt, den Tod erlitten hat und endlich auferstanden ist. Zum andern empfangen wir das Ziel alles dessen und seine Frucht, nämlich dass Christus „Gott mit uns“ ist, sich als ein sicheres Pfand unserer Kindschaft darbietet, uns durch die Gnade Seines Geistes durchdringt und von dem Schmutz des Fleisches reinigt und Gott zu Tempeln weiht, uns aus den unteren Örtern herausreißt und in den Himmel emporhebt, durch das Opfer Seines Todes die Sünden der Welt sühnt, uns mit dem Vater versöhnt und der Urheber der Gerechtigkeit und des Lebens uns zu gut ist. Wer das festhält, der hat aus dem Evangelium den richtigen Nutzen gezogen.

     Wir haben selber gesehen. – Daraus entnehmen wir, dass diejenigen keineswegs Christi Diener oder den Aposteln ähnlich sind, welche ohne weiteres hervortreten, um von Dingen zu schwatzen, die ihnen völlig unbekannt sind; denn der ist erst ein rechter Diener Gottes, dem die Wahrheit der von Ihm gepredigten Lehre bezeugt ist. Freilich ist der Grund der Gewissheit nicht bei allen der gleiche, denn wenn Petrus sagt, er sei zugegen gewesen, als Christus durch eine himmlische Offenbarung Gottes Sohn genannt wurde – es waren damals nur drei – so gab es nichtsdestoweniger auch andere geeignete Zeugen, die an so vielen Wundern Christi Herrlichkeit geschaut und den hehren Anblick Seiner Gottheit bei der Auferstehung gehabt hatten. Wir bekommen auf andere Weise unsere Gewissheit; denn ist auch Christus nicht vor unseren Augen auferstanden, so wissen wir doch, von wem uns die Kunde Seiner Auferstehung überliefert worden ist. Dazu kommt noch das innere Zeugnis des Gewissens. Jene Versiegelung durch den Geist meine ich, die alle Beweise der Sinne weit übertrifft. Wir wollen es nimmermehr vergessen, dass das Evangelium von Anfang an nicht auf Grund leerer Gerüchte zusammengeschmiedet worden ist, sondern dass die Apostel glaubwürdige Verkündiger dessen geworden sind, was sie gesehen hatten.

    Da er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm geschah von der großen Herrlichkeit. – Ein Beispiel hält Petrus vor allen andern erwähnenswert, bei dem Christus, mit himmlischer Herrlichkeit geschmückt, drei Jüngern einen sichtbaren Anblick Seiner göttlichen Herrlichkeit gewährte. Wenn er auch nicht alle Einzelheiten der Geschichte erzählt, so bezeichnet er sie doch mit einem einzigen Wort, wenn er sagt: „Eine Stimme, die geschah von der großen Herrlichkeit“. Der Sinn davon ist nämlich: Dort sah man nichts Irdisches, sondern überall strahlte göttliche Majestät. Man muss die Zeichen der Herrlichkeit sammeln, welche die Evangelisten erzählen. Dadurch müsste die Stimme, die ergangen ist, noch heiliger werden. Wir sehen ja, dass der Herr nicht nur einmal geredet hat. Denn es war nicht Sein Wille, dass nur bloße Stimmen durch die Luft schwirrten, wenn Er mit den Vätern redete; sondern Er gab Zeichen Seiner Gegenwart und bestätigte dadurch, dass es Seine Offenbarungen waren, die gegeben wurden.

    Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. – Petrus führt dieses Wort an, als würde es allein genügen, dem Evangelium volles Ansehen zu sichern. Mit Recht! Denn wo man Christus erkennt, wie Ihn der Vater uns gibt, da hat das Gebäude unserer Weisheit seinen Schlussstein erhalten. Dieses Wort hat zwei Teile: Denn auf „dies ist“ liegt eine starke Betonung: Dies ist nämlich der Messias, der schon so oft verheißen worden war. Was also im Gesetz und Propheten vom Messias enthalten ist, das überträgt der Vater durch diese Erklärung auf die Person dessen, den Er mit dieser Proklamation empfiehlt. In dem zweiten Teil des Wortes nennt Er Christus Seinen Sohn, auf dem Seine ganze Liebe ruht und wohnt. Folglich kann Er uns nur in Ihm lieben, und sonst nirgends darf man die Liebe Gottes suchen.

    Auf dem heiligen Berge. – Heilig heißt der Berg in demselben Sinn wie das Land, auf dem Gott dem Mose erschien. Denn wohin auch immer Gott kommt, der ja die Quelle aller Heiligkeit ist, da heiligt Er alles durch Seine Gegenwart. Aber dadurch werden wir gelehrt, nicht nur voll Ehrfurcht Gott aufzunehmen, wo Er sich auch zeigt, sondern uns auch zur Heiligkeit zu bereiten, sobald Er uns naht. So war es auch dem Volke befohlen, als das Gesetz auf dem Sinai-Gebirge veröffentlicht werden sollte. Das aber ist das wichtigste, was wir uns zu merken haben: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der ich in eurer Mitte wohne.“