1. Petrus Kapitel 3 Teil VIII

    1. Petrus 3.19-22

    In demselbigen ist er auch hingegangen, und hat gepredigt, den Geistern, die auf der Warte standen, da vorzeiten Ungläubige waren, da Gott harrte und Geduld hatte zu den Zeiten Noahs, da man die Arche zurüstete, in welcher wenige, das ist acht Seelen, gerettet wurden durchs Wasser; welches nun auch uns selig macht in der Taufe, die durch jenes bedeutet ist, nicht das Abtun des Unflats am Fleisch, sondern das Zeugnis eines guten Gewissens vor Gott, durch die Auferstehung Jesu Christi, welcher ist zur Rechten Gottes in den Himmel gefahren, und sind ihm untertan die Engel und die Gewaltigen und die Kräfte. 

    In demselbigen ist er auch hingegangen, und hat gepredigt, den Geistern, die auf der Warte standen, da vorzeiten Ungläubige waren. – Dies hat Petrus beigefügt, damit wir wissen, dass jene lebendig machende Kraft des Geistes, von der er sprach, nicht auf Christi Person beschränkt blieb, sondern auch auf uns überströmt, wie auch Paulus dies im 5. Kapitel des Römerbriefs lehrt. Es heißt also, dass Christus nicht bloß für sich auferstand, sondern um dieselbe Kraft Seines Geistes andern offenbar zu machen; ja sogar bis zu den Toten sei dieselbe gedrungen. Daraus folgt, dass wir dieselbe nicht minder schmecken werden: Sie soll alles, was in uns sterblich ist, lebendig machen. Im Übrigen hat diese dunkle Stelle mancherlei Erklärungen gefunden. Allgemein verbreitet war die Ansicht, dass hier ein Abstieg Christi zu den Toten erzählt werde. Aber die Worte lauten anders; denn es ist nicht von der Seele Christi die Rede, sondern nur davon, dass Er im Geist gekommen sei. Es sind aber zwei ganz verschiedene Dinge, ob die Seele Christi hinging, oder ob Christus in der Kraft Seines Geistes predigte. Ausdrücklich spricht also Petrus vom Geist, um den Aberglauben an eine so genannte reale Gegenwart auszuschließen. Ich zweifle also nicht, dass er im Allgemeinen sagen will, Christi Gnadenoffenbarung habe sich auch auf die Geister der Frommen erstreckt, und Er habe sie mit der Lebensmacht Seines Geistes durchtränkt. Darum brauchten wir nicht zu fürchten, dass sie nicht auch bis zu uns dringen könne. Von diesen Seelen der Frommen, die den Körper verlassen hatten, wird nun gesagt, dass sie auf der Warte standen. Denn dies scheint mir der betreffende griechische Ausdruck eher zu besagen als etwa, dass sie im „Gefängnis“ waren; zu denken ist entweder an einen Ort, da die Wache gehalten wird, oder an das Warten und Wachen selbst. Es gibt einen trefflichen Sinn, dass die frommen Seelen auf die Hoffnung des verheißenen Heils gespannt waren und wie aus der Ferne sehnsüchtig darauf warteten. Denn ohne Zweifel haben die heiligen Väter sowohl im Leben als nach ihrem Sterben alle Gedanken auf dieses Ziel gerichtet. Will man aber das Wort „Gefängnis“ beibehalten, so lässt sich auch dem ein passender Sinn abgewinnen. Nach dem Zeugnis des Paulus (Galater 3.23) war für die Väter, so lange sie lebten, das Gesetz gleichsam ein enger Kerker, in dem sie festgehalten wurden. So mussten sie auch nach ihrem Tode sich durch eine ängstliche Sehnsucht nach Christus wie gefesselt fühlen, weil ihnen noch nicht eine völlige Freiheit des Geistes geschenkt war. Dies ängstliche Harren war für sie wie ein Gefängnis. Bis dahin erscheinen die Worte des Apostels sachgemäß und stimmen trefflich zum Zusammenhang; das Folgende aber bietet einige Schwierigkeit, da nun nicht mehr von den Gläubigen, sondern lediglich von Ungläubigen die Rede ist. Dadurch scheint die ganze vorgetragene Auslegung umgestoßen zu werden. Dies war der Grund, dass einige hier an ein Gericht dachten, welches der Geist Christi über die Ungläubigen vollzogen habe, die vorzeiten die Frommen belästigten und befehdeten. Dann würde Petrus die Gläubigen mit diesem Hinweis trösten, dass Christus noch nach Seinem Sterben sie gestraft habe. Dass dies aber ein Irrtum ist, zeigt die Aussage des nächsten Kapitels (Vers 6), den Toten sei das Evangelium verkündigt worden, damit sie im Geist für Gott leben möchten. Dies trifft doch allein für die Gläubigen zu. Außerdem ist kein Zweifel, dass Petrus seine gegenwärtige Aussage dort wiederholen will. Seine Hauptabsicht ist, uns einzuprägen, dass die lebendig machende Kraft des Geistes Christi, die man an ihm selbst spüren konnte und die auch an den Toten sich erwies, als solche sich auch an uns betätigen werde. Indessen gilt es nun, zu untersuchen, weshalb der Apostel nur Ungläubige nennt. So scheint er ja sagen zu wollen, dass Christus im Geist denen erschienen sei, die vorzeiten ungläubig waren. Ich möchte aber den Satz anders abteilen, so dass er besagt, dass damals die reinen Anbeter Gottes unter lauter Ungläubige gemischt, ja von deren Menge fast überschüttet waren. Ich gebe zu, dass die mit der griechischen Syntax nicht ganz stimmt; aber die Apostel nehmen es in diesem Stück nicht allzu genau, und namentlich an unsrer Stelle reiht Petrus unübersichtlich immer einen Gedanken an den andern. Zudem lässt sich auf andere Weise ein passender Sinn nicht gewinnen [Luther übersetzt: Hat gepredigt den Geistern im Gefängnis, die vorzeiten ungläubig waren]. Darum habe ich unbedenklich eine Auflösung der verwickelten Sätze gegeben, die deutlich macht, dass die Ungläubigen, von denen die Rede ist, andere sind als diejenigen, denen das Evangelium gepredigt ward: An die Aussage, dass Christus sich den verstorbenen Gläubigen geoffenbart, reiht sich die andere, dass die Gläubigen lebten, da vorzeiten Ungläubige waren. Die Meinung ist, dass es den heiligen Vätern keinen Schaden bringen konnte, wenn sie sich von der Menge der Ungläubigen fast erdrückt sahen. Der Apostel scheint mir also einem Zweifel zu begegnen, der die Gläubigen seiner Zeit ängstigen konnte. Sie sahen, wie die ganze Welt in den Händen der Ungläubigen war, welche die Herrschaft und das Leben hatten. Solche Versuchung hätte ihnen, die gleichsam unter dem Tode verschlossen waren, alle Zuversicht nehmen können. Darum erinnert Petrus sie daran, dass sich die Väter in keiner andern Lage befanden; und doch wurde ihr Leben, obwohl damals die Menge der Gottlosen die ganze Erde bedeckte, durch Gottes Kraft bewahrt. Auf diese Weise tröstet der Apostel die Frommen, damit nicht ihre geringe Anzahl ihnen den Mut schwäche oder ganz nehme. Das treffliche Beispiel, welches er dafür wählt, der Untergang der Welt in der Sintflut, war vor andern bekannt; damals entging nur Noahs Familie der allgemeinen Vernichtung des Menschengeschlechts. Auch auf diese Weise der Rettung spielt der Apostel an, indem er in ihr etwas wie eine Taufe sieht. So wird auch dieser Teil seiner Aussage verständlich. Alles in allem: Die Welt ist immer voll von Ungläubigen gewesen; darum dürfen sich durch ihre ungeheure Zahl die Frommen nicht schrecken lassen. So ließ auch Noah, obgleich die gottlosen Leute ihn rings umgaben und der Seinen nur so wenige waren, sich doch vom rechten Weg des Glaubens nicht abdrängen.

    Da Gott harrte und Geduld hatte zu den Zeiten Noahs, da man die Arche zurüstete, in welcher wenige, das ist acht Seelen, gerettet wurden durchs Wasser; welches nun auch uns selig macht. – Dies ist im Blick auf die Gottlosen gesagt, die durch Gottes zuwartende Geduld nur noch träger wurden. Denn wenn Gott Seine Rache verschiebt und nicht alsbald vollzieht, spotten die Gottlosen in ihrer Sicherheit aller Drohungen. Dagegen ließ sich Noah durch Gottes offenbarenden Spruch warnen und hatte die Flut schon geraume Zeit vor Augen. Er machte sich mit Eifer an den Bau der Arche, weil er, durch Gottes Gericht erschreckt, alle stumpfe Gleichgültigkeit abgeschüttelt hatte.

    In der Taufe, die durch jenes bedeutet ist. – Die Rettung Noahs durch das Wasser wird als eine abbildliche Darstellung der Taufe bezeichnet. Der Apostel erinnert daran, um die Ähnlichkeit zwischen ihm und uns desto eindrücklicher zu machen. Denn dies ganze Satzglied zielt, wie wir schon sagten, darauf, dass wir uns nicht durch böse Beispiele von der Furcht des Herrn und dem rechten Heilsweg abbringen und mit der Welt vermischen lassen sollen. Dies wird ganz deutlich in der Taufe, wo wir mit Christus begraben werden und der Welt und dem Fleisch absterben, damit wir für Gott leben. Unter diesem Gesichtspunkt heißt es, dass unsere Taufe durch Noahs Taufe bedeutsam vorgebildet war. Denn wie Noah das Leben durch den Tod gewann, da er ja in der Arche wie in einem Grabe eingeschlossen war und mit seinen wenigen Familiengliedern gerettet ward, während die ganze Welt zugrunde ging, so ist heute für uns die Abtötung, die in der Taufe dargestellt wird, der Eingang in das Leben; und wir dürfen auf Rettung nur hoffen, wenn wir uns von der Welt haben absondern lassen.

    Nicht das Abtun des Unflats am Fleisch. – Dies wurde hinzugefügt, weil unter gewissen Umständen der größte Teil der Menschen Christi Namen bekennt und durch dieselbe Taufe fast alle mit uns in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen wurden. So würde nicht mehr zutreffen, dass heute nur wenige durch die Taufe gerettet werden, wie Gott durch die Arche nur acht Seelen gerettet hat. Demgegenüber erinnert der Apostel, dass der Empfang des äußeren Zeichens nicht genügt, wenn man nicht in wahrer und wirkungskräftiger Weise die Taufe auf sich nimmt. Diese Wahrheit derselben findet sich aber nur bei wenigen. Daraus folgt, dass wir nicht um uns herum auf das blicken dürfen, was die Masse der Menschen treibt, um uns von ihrem Beispiel abhängig zu machen; auch sollen wir uns nicht fürchten, wenn wir an Zahl gering sind. Übrigens verdrehen die Schwärmer, wie zum Beispiel Schwenkfeld [Frommer Mystiker, den die Reformatoren als Schwärmer betrachteten, starb 1561 zu Ulm], dieses Zeugnis in übler Weise, um den Sakramenten jegliche Kraft und Wirkung abzusprechen. Denn Petrus wollte nicht die von Christus eingesetzte Taufe für nichtig und unwirksam erklären, sondern nur die Heuchler von der Heilshoffnung ausschließen, die, soviel an ihnen ist, die Taufe verkehren und verderben. In den Sakramenten haben wir zwei Stücke in Betracht zu ziehen, das Zeichen und den Inhalt. So ist in der Taufe Wasser das Zeichen, der Inhalt aber ist die Abwaschung der Seele durch Christi Blut und die Abtötung des Fleisches. Christi Einsetzung begreift dies beides in sich. Dass aber das Zeichen oft unwirksam und offensichtlich fruchtlos wird, ist durch den Missbrauch der Menschen verschuldet, der doch die Natur des Sakraments nicht aufhebt. Wir wollen also lernen, dass man den bezeichneten Inhalt nicht etwa vom Zeichen losreißen darf. Freilich muss man sich auch vor dem entgegengesetzten Fehler hüten, der unter den Papisten herrscht. Weil sie nämlich zwischen Inhalt und Zeichen nicht den gebührenden Unterschied machen, bleiben sie an dem äußeren Element hängen und gründen darauf ihre Heilszuversicht. So lenkt der Anblick des Wassers ihre Gedanken von Christi Blut und der Gnadenwirkung des Geistes ab. Sie bedenken nicht, dass Christus allein der Spender all der Güter ist, die dort geboten werden; sie nehmen Seinem Tod die Ehre und übertragen sie auf das Wasser; sie binden die verborgene Wirkung des Geistes an das sichtbare Zeichen. Was sollen wir also tun? Damit wir nicht scheiden, was der Herr verbunden hat, müssen wir in der Taufe ein geistliches Bad sehen, müssen darin ein Zeugnis der Sündenvergebung und ein Unterpfand unserer Erneuerung ergreifen. Andererseits müssen wir aber Christus und dem Heiligen Geist die gebührende Ehre lassen, die es ausschließt, dass irgendein Stück unseres Heils auf das Zeichen übertragen werde. Wenn also Petrus bei Erwähnung der Taufe alsbald einschränkend hinzufügt, dass dieselbe nicht das Ablegen fleischlichen Schmutzes sei, so gibt er deutlich zu verstehen, dass die Taufe für manche Leute nur ein Buchstabenwerk ist, dass darum das äußere Zeichen an sich nichts zustande bringt.

    Das Zeugnis eines guten Gewissens vor Gott. – Buchstäblich wäre zu übersetzen „die Frage“. Dieser Ausdruck steht aber hier für Antwort oder Zeugnis. Petrus beschreibt nun in Kürze die Kraft und den Gebrauch der Taufe, indem er sie mit dem Gewissen in Verbindung bringt und insbesondere eine Zuversicht fordert, in der man den Anblick Gottes aushält und vor Seinem Richterstuhl bestehen kann. Diese Worte lehren, dass die Taufe in ihrem Hauptstück eine geistliche Sache ist und dass sie die Vergebung der Sünden und die Erneuerung des alten Menschen in sich begreift. Denn wie könnte das Gewissen gut und rein sein, ehe nicht der alte Mensch gebessert ist und wir zur Gerechtigkeit Gottes erneuert wurden? Und wie sollten wir vor Gott anders Antwort geben können, als indem wir auf die unverdiente Vergebung der Sünden trauen und uns darauf stützen? Alles in allem: Petrus wollte die Wirkung der Taufe beschreiben, damit sich nicht jemand des bloßen und toten Zeichens rühme, wie die Heuchler zu tun pflegen. Bemerkenswert ist aber, dass er sagt: Durch die Auferstehung Jesu Christi. Diese Worte prägen ein, dass man nicht an dem Element des Wassers hängen bleiben darf, dass vielmehr, was dasselbe darstellt, allein von Christus uns zufließt und von Ihm erbeten sein will. Weiter bedeutet die Erinnerung an die Auferstehung einen Rückblick auf die vorige Aussage, dass Christus durch den Geist lebendig gemacht worden sei. Denn die Auferstehung war der Sieg über den Tod und die Vollendung unseres Heils. Wir schließen daraus, dass der Tod Christi nicht ausgeschlossen, sondern vielmehr mitgedacht werden soll, wenn von der Auferstehung die Rede ist. Also haben wir von der Taufe nur dann einen Nutzen, wenn alle unsre Empfindungen sich an Christi Tod und Auferstehung heften.

    Welcher ist zur Rechten Gottes. – An Christi Aufstieg in den Himmel wird erinnert, damit unsre Augen Ihn nicht in der Welt suchen. Daran hat der Glaube ein großes Interesse. An das Sitzen zur Rechten des Vaters erinnert der Apostel, damit wir nicht zweifeln, dass Christi hinreichende Kraft und Schutzmacht zur Verfügung steht, uns zu retten. Denn dass Christus daselbst sitzt, will eben besagen, dass Er als Gottes Vertreter die höchste Gewalt ausübt. Zur Erläuterung dieser Tatsache dient auch der folgende Satz: Und sind ihm untertan die Engel und die Gewaltigen und die Kräfte. Um die Rede volltönender zu machen, werden die Engel mit verschiedenen Namen bezeichnet; denn es war dem Petrus ein Anliegen, die Größe der Herrschaft Christi lobpreisend zu erheben.

     

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