1. Petrus 4.12-17a
Ihr Lieben, lasset euch die Hitze, so euch begegnet, nicht befremden (die euch widerfährt, dass ihr versucht werdet), als widerführe euch etwas Seltsames, sondern freuet euch, dass ihr mit Christus leidet, auf dass ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben möget. Selig seid ihr, wenn ihr geschmäht werdet über dem Namen Christi; denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruht auf euch. Bei ihnen ist er verlästert, aber bei euch ist er gepriesen. Niemand nämlich unter euch leide als ein Mörder oder Dieb oder Übeltäter, oder der nach fremden Dingen schaut. Leidet er aber als ein Christ, so schäme er sich nicht; er ehre aber Gott in solchem Fall. Denn es ist Zeit, dass anfange das Gericht an dem Hause Gottes.
Ihr Lieben, lasset euch die Hitze, so euch begegnet, nicht befremden (die euch widerfährt, dass ihr versucht werdet), als widerführe euch etwas Seltsames, sondern freuet euch, dass ihr mit Christus leidet, auf dass ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben möget. – Die Erinnerung an die Trübsal wiederholt sich in diesem Brief immer wieder. Doch müssen wir auf einen Unterschied achten. Manche Seelen, welche die Gläubigen zur Geduld mahnen wollen, beziehen sich allgemein auf die gewöhnlichen Beschwerden des menschlichen Lebens. An unserer Stelle aber spricht der Apostel von dem Unrecht, welches die Gläubigen um des Namens Christi willen dulden müssen. Zuerst erinnert er daran, dass sie sich dadurch nicht befremden lassen sollen, als hätten sie es mit einem plötzlich und unerwartet auftretenden Ereignis zu tun. Er gibt damit zu verstehen, dass sie durch langes Zuvorbedenken sich darauf rüsten müssen, Kreuz zu tragen. Denn wer sich vorsagt, dass man unter Christus Kriegsdienst leisten muss, wird nicht betroffen sein, wenn etwas von Verfolgung einsetzt; er trägt es geduldig, weil er an den Gedanken gewöhnt ist. Wollen wir also geistesgegenwärtig dastehen, wenn es gilt, wider die anstürmende Flut der Verfolgung sich zu stemmen, so müssen wir in rechtzeitiger Gewöhnung uns das Kreuz beständig vergegenwärtigen. Mit zwei Gründen beweist nun der Apostel, dass das Kreuz für uns eine nützliche Übung ist: Gott versucht oder erprobt dadurch unsern Glauben; zum andern werden wir durch das Kreuz Genossen Christi. An erster Stelle sollen wir also bedenken, dass solche Prüfung, die unsern Glauben bewähren soll, uns ganz unentbehrlich ist, dass wir also willigen Gehorsam gegen Gott beweisen müssen, wenn Er für unser Heil sorgt. Den kräftigsten Trost aber sollen wir aus unserer Gemeinschaft mit Christus schöpfen. Indem Petrus uns diese vor Augen stellt, wehrt er nicht bloß dem Befremden, sondern ruft uns sogar zu (Vers13): Freuet euch. Gewiss ist auch dies ein Anlass zur Freude, dass Gott zur Bewährung unseres Glaubens uns in Verfolgungen übt. Noch viel herrlicher aber ist die andere Freude, dass der Sohn Gottes uns in Seinen Orden aufnimmt, um uns mit sich in die Gemeinschaft seliger Himmelsherrlichkeit zu führen. Gilt doch der Grundsatz, dass wir das Sterben Christi an unserem Leibe herumtragen, damit Sein Leben an uns offenbar werde. Gewiss müssen auch die Verworfenen viele Leiden aushalten; aber weil sie von Christus geschieden sind, schmecken sie darin nichts als Gottes Zorn und Fluch. So werden Traurigkeit und Schrecken sie völlig verzehren. Darum ruht aller Trost der Gläubigen darauf, dass sie mit Christus Gemeinschaft haben, wobei das Ziel ist, dass sie einst auch der Herrlichkeit teilhaftig werden. Denn immer müssen wir an den Übergang vom Kreuz zur Auferstehung denken. Weil aber diese Welt einem Labyrinth gleicht, in welchem sich ihnen kein Ausgang aus dem Übel öffnet, so deutet Petrus auf die zukünftige Offenbarung der Herrlichkeit Christi. Er will etwa sagen, dass man dieselbe nicht verachten solle, weil sie jetzt verborgen ist; man müsse auf den Tag der Offenbarung warten. So stellt er uns eine doppelte Freude vor Augen, deren eine wir bereits in Hoffnung genießen, während den vollen Genuss der andern uns Christi Wiederkunft bringen wird. Die erstere ist mit Schmerz und Traurigkeit untermischt, die andere mit Frohlocken verbunden. Denn mitten in der Trübsal dürfen wir nicht von einer Freude träumen, die uns über jede Beschwerde erhöbe; aber die Tröstungen Gottes lindern die Empfindung des Übels derartig, dass wir doch zugleich Freude schmecken.
Selig seid ihr, wenn ihr geschmäht werdet über dem Namen Christi; denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruht auf euch. – Die Schmähungen, an welche der Apostel erinnert, bergen oft mehr Bitterkeit in sich als Verlust an Hab und Gut, ja als Foltern und Qualen des Körpers. Darum ist nichts geeigneter, einen edlen Geist zu brechen. Wir sehen viele, die Armut tapfer trugen, sich in Foltern mutig hielten, ja ohne Zittern dem Tod entgegen gingen, bei Schmähungen unterliegen. Diesem Übel will Petrus begegnen, indem er in Übereinstimmung mit Christi Wort (Matthäus 5.11) selig spricht, die um des Evangeliums willen Schmach tragen müssen. Das widerspricht freilich der gewöhnlichen menschlichen Empfindung. Aber der Apostel kann es begründen: Denn der Geist Gottes, der auch ein Geist der Herrlichkeit ist, ruht auf euch. Wir sehen daraus, dass es dem Glück der Frommen keinen Eintrag tut, wenn sie etwas von Schmach um des Namens Christi willen dulden. Denn sie behalten ungeschmälert den Besitz der Herrlichkeit vor Gott, da ja in ihnen der Geist wohnt, an den immer die Herrlichkeit gebunden ist. Was also dem Fleisch als eine Torheit scheint, das bekräftigt der Geist Gottes in der gewissen Empfindung des Herzens als Wahrheit.
Bei ihnen ist er verlästert, aber bei euch ist er gepriesen. – Das ist eine Bestätigung des vorangehenden Satzes. Es muss, so will Petrus sagen, den Frommen genügen, wenn Gottes Geist ihnen bezeugt, dass Schmach, die sie um des Evangeliums willen tragen, selig und voller Herrlichkeit ist, mögen es auch die Verworfenen auf etwas ganz anderes abgesehen haben. Die Meinung ist etwa: Ihr könnt in voller Sicherheit den frechen Ansturm der Gottlosen verachten, weil das Zeugnis von der Herrlichkeit, welches Gottes Geist euch gibt, euch tief und fest eingeprägt bleibt. Dass es der Geist Gottes ist, gegen welchen die Schmähungen sich richten, kann gesagt werden, weil die Ungläubigen über das spotten, was Er uns zu unserem Troste eingibt. Freilich wird damit die Zukunft vorausgenommen: Mag die Welt in ihrer Blindheit in der Schmach um Christi willen nichts als Schande sehen, so sollen doch die Frommen sich ihre Augen nicht durch diese falsche Meinung blenden lassen, sondern vielmehr auf Gott schauen. So wird nicht ganz abgestritten, was die Menschen gewöhnlich meinen; aber es wird die verborgene Erfahrung des Glaubens, welche Gott Seinen Kindern in ihrem Gewissen geschenkt hat, ihrer leichtfertigen Ansicht entgegengesetzt. In dieser Weise rühmt sich Paulus (Galater 6.17), dass er die Malzeichen Christi an sich trage; er rühmt sich seiner Ketten, obgleich er recht gut weiß, wie die Welt darüber urteilt. So gibt er zu verstehen, dass Menschen, denen die Schmach des Kreuzes nicht als Herrlichkeit gilt, mit der blinden Welt irren.
Niemand nämlich unter euch leide als ein Mörder oder Dieb oder Übeltäter, oder der nach fremden Dingen schaut. – Auch dieser Satz begegnet einem Einwurf. Der Apostel hatte die Gläubigen zur Geduld ermahnt für den Fall, dass sie um der Sache Christi willen leiden müssten. Jetzt fügt er erläuternd hinzu, weshalb er nur von dieser Art Leiden sprach: Nämlich weil sie sich von allen Übeltaten enthalten müssen. Darin liegt auch die Mahnung verborgen, dass sie nicht sündigen sollen, wobei ihre Züchtigung dann als eine gerechte erscheinen müsste. So ist das „nämlich“ hier keineswegs überflüssig; denn der Apostel will den Grund angeben, weshalb er die Gläubigen nur zur Gemeinschaft der Leiden Christi ermahnte, und will sie bei dieser Gelegenheit zugleich erinnern, dass sie gerecht und unschuldig leben sollen, damit sie sich nicht durch eigene Schuld verdiente Strafen zuziehen. Er will etwa sagen, dass es die Sache der Christen sei, jedermann Gutes zu tun, dabei aber von der Welt sich übel und unmenschlich behandeln zu lassen. Sollte jemand einwenden, dass man doch keinen so völlig unschuldigen Menschen finden könne, der nicht wegen vieler Sünden noch göttliche Strafe verdiente, so erwidere ich, dass Petrus hier von Verbrechen redet, die uns völlig fern liegen müssen, wie Mord und Raub. Weiter erwidere ich, dass der Apostel den Christen vorschreibt, wie sie sich halten müssen. Es versteht sich also von selbst, dass er einen Unterschied zwischen ihnen und den Kindern dieser Welt macht, die von Gottes Geist verlassen sind und sich in jede Art von Verbrechen stürzen. Kinder Gottes sollen nicht in die gleiche Lage sich begeben, dass sie durch ein ungerechtes Leben die nach den Gesetzen gerechten Strafen auf sich herabziehen. Weiter haben wir schon anderwärts gesagt, dass freilich in den Auserwählten noch viele Sünden sind, die Gott mit Recht strafen könnte, dass Er aber in väterlicher Nachsicht Seine Kinder schont und nicht die verdienten Strafen verhängt; zuweilen will Er sie sogar ehren und mit den Malzeichen Seines Christus schmücken, indem Er sie wegen des Zeugnisses des Evangeliums Schmach leiden lässt. Ein Mensch, der nach fremden Dingen schaut, dürfte ein solcher sein, der nach dem Gut des andern begierig ist. Denn wer auf Raub und Betrug ausgeht, blickt mit schielenden Augen auf fremdes Gut; wer dagegen das Geld verachtet, kann Haufen Goldes liegen sehen, ohne das Auge zu wenden.
Leidet er aber als ein Christ, so schäme er sich nicht. – Nachdem der Apostel die Christen vor Verletzung des Nächsten und vor Unrecht gewarnt, damit sie sich nicht mit den Ungläubigen um ihrer Missetaten willen der Welt verhasst machen, ruft er sie jetzt zum Dank gegen Gott auf, wenn sie um des Namens Christi willen Verfolgung leiden müssen. Sicherlich ist es eine mehr als gewöhnliche Wohltat Gottes, wenn Er uns von den gemeinen Sündenstrafen löst und enthebt, dagegen zu ehrenvollem Kriegsdienst beruft, so dass wir für die Bezeugung Seines Evangeliums Verbannung, Gefängnis, Schmach, ja selbst den Tod leiden müssen. Es ist also Undank gegen Gott, wenn man in Verfolgungen klagt und murrt, als würde man unwürdig behandelt. Sollte man es sich doch vielmehr zum Gewinn rechnen und Gottes Gnade anerkennen. Dass man „als ein Christ“ leiden soll, deutet übrigens weniger auf den Namen als auf die Sache.
Er ehre aber Gott in solchem Fall. – Da alle Trübsal in der Sünde ihren Ursprung hat, so müssen die Frommen folgende Erwägung anstellen: Ich war wert, dass der Herr mir diese und größere Strafen für meine Sünden auferlegt hätte; nun aber will Er, dass ich um der Gerechtigkeit willen leide, als wäre ich unschuldig. So erkennen die Heiligen freilich ihre Schuld an; weil sie aber in Verfolgungen auf den ganz anderen Zweck sehen, den der Herr ihnen vor Augen stellt, so spüren sie, wie ihre Schuld vor Gott getilgt und beseitigt ist. In diesem Stück oder „in solchem Fall“ haben sie Grund, Gott zu preisen.
Denn es ist Zeit, dass anfange das Gericht an dem Hause Gottes. – Der Trost, der in der Güte der Sache liegt, wenn wir leiden und für den Namen Christi Schläge empfangen, wird jetzt noch erweitert. Der Apostel sagt, dass es für die ganze Gemeinde Gottes eine Notwendigkeit ist, nicht bloß den allen Menschen gemeinsamen Leiden zu unterliegen, sondern auch ganz besonders und vornehmlich durch Gottes Hand gezüchtigt zu werden; darum muss man Verfolgungen für Christus umso gleichmütiger tragen. Denn wollen wir nicht aus der Zahl der Gläubigen gestrichen sein, so ziemt es sich, dass wir unsern Rücken unter die Ruten Gottes beugen. Und es ist eine süße Würze, wenn der Herr nicht unterschiedslos wie an andern Leuten Seine Gerichte an uns übt, sondern uns die Vertretung Seines Sohnes anvertraut, so dass wir lediglich für Seine Sache und Seinen Namen leiden müssen. Übrigens hat Petrus seinen Satz aus der geläufigen und vielfach wiederholten Lehre der Schrift entnommen; dies dünkt mich wahrscheinlicher, als dass er, wie andere meinen, eine bestimmte Stelle (etwa Hosea 9.6 oder Jeremia 25.29) hätte zitieren wollen. Denn es war vor alten Zeiten Gottes Weise, für welche alle Propheten zeugen, dass Er die ersten Beispiele von Züchtigungen in Seinem Volke gab, wie ein Hausvater nicht Fremde, sondern die Seinen straft. Obgleich Gott aller Welt Richter ist, will Er Seine Vorsehung doch insbesondere an der Regierung Seiner Gemeinde kenntlich machen. Wenn Er verkündet, dass Er als Richter der ganzen Welt sich erheben will, so fügt Er hinzu, dass dies geschehen soll, nachdem Er Sein Werk vollendet hat auf dem Berge Zion. Zwar streckt Er unterschiedslos Seine Hand wider die Seinen und die Fremden aus; denn wir sehen, wie beide gleicher Weise dem Unglück unterliegen, stellt man aber einen Vergleich an, so scheint Er gleichsam die Verworfenen in demselben Maße zu schonen, wie Er sich gegen die Auserwählten streng hält. Daraus entspringen jene Klagen der Frommen, dass die Verworfenen ihr Leben in ständigen Vergnügungen hinbringen dürfen, dass sie an Wein und Lautenspiel sich erfreuen und endlich in einem Augenblick ohne Schmerz ins Grab hinabsteigen, dass Fett ihre Augen deckt, dass sie frei von Beschwerden, sicher und sanft, unter Verachtung der andern, ein glückliches Leben genießen, so dass sie sich erkühnen, ihr Angesicht zum Himmel zu erheben. Wir müssen aber endlich bedenken, dass Gott Seine Gerichte in dieser Weltzeit mäßigt, um die Verworfenen zu mästen auf den Schlachttag. So lässt Er viele in ihren Verbrechen gehen, als wolle Er sie begünstigen. Seine Kinder dagegen, für die Er sorgt, ruft Er mit Züchtigungen auf den rechten Weg zurück, sobald sie fallen. Unter diesem Gesichtspunkt sagt Petrus, dass das Gericht anfange beim Hause Gottes. Denn unter dem Namen des Gerichts fasst er alle Strafen zusammen, welche der Herr den Menschen für ihre Sünden auferlegt, sowie überhaupt alles, was auf die Besserung der Welt abzielt. Warum aber sagt er, dass jetzt die Zeit dafür sei? Wie mich dünkt, will er damit zu verstehen geben, dass, was die Propheten von ihrer Zeit behaupten, auf Christi Reich vornehmlich zutreffe, dass nämlich der Anfang bessernder Züchtigung bei der Gemeinde Gottes gemacht werden müsse. Darum sagt Paulus (1. Korinther 15.19), dass die Christen die elendesten unter allen Menschen sein würden, wenn der Glaube an die Auferstehung nichts gelten sollte. Mit Recht; denn während andere ohne Scheu sich gehen lassen, seufzen die Gläubigen immerfort, während Gott die Sünden der andern nicht zu sehen scheint und sie ruhig in ihrem Schlafe lässt, übt Er die Seinen unter der Zucht des Kreuzes viel strenger.