1. Johannes 2.24-29
Was ihr nun gehört habt von Anfang, das bleibe in euch. So bei euch bleibt, was ihr von Anfang gehört habt, so werdet ihr auch bei dem Sohn und dem Vater bleiben. Und das ist die Verheißung, die Er uns verheißen hat: das ewige Leben. Solches habe ich euch geschrieben von denen, die euch verführen. Und die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibet bei euch, und bedürft nicht, dass euch jemand lehre, sondern wie euch die Salbung alles sehrt, so ist’s wahr und ist keine Lüge; und wie sie euch gelehrt hat, so bleibt bei dem selbigen. Und nun Kindlein, bleibt bei ihm, auf dass, wenn er offenbar wird, wir Freudigkeit haben und nicht zuschanden werden vor ihm in seiner Zukunft. So ihr wisset, dass er gerecht ist, so erkennt auch, dass, wer recht tut, der ist von ihm geboren.
Was ihr nun gehört habt. – Der voraufgehenden Lehre fügt der Apostel eine Mahnung bei, und damit die Mahnung wirksam sei, weist er die Früchte auf, die sie aus dem Gehorsam gewinnen werden. Er mahnt die Leser also zur Beständigkeit des Glaubens, dass sie fest im Herzen behalten sollen, was sie gelernt haben. Wenn er sagt von Anfang, so würde das bloße Alter keineswegs genügen, um irgendeine Lehre als wahr zu erweisen. Er hat aber schon gezeigt, dass sie richtig im reinen Evangelium Christi unterwiesen sind; darum macht er mit Recht den Schluss, sie sollten dabeibleiben. Hier muss die Reihenfolge genau beachtet werden. Wenn wir nämlich von der Lehre, die wir einmal erfasst haben, nicht weichen wollen, mag sie sein, wie sie will, so ist das nicht Beständigkeit, sondern verkehrter Eigensinn. Daher muss man zuerst zusehen, dass der Grund des Glaubens auf dem Worte Gottes ruht; dann mag die unbeugsame Beständigkeit folgen. Die Papisten prahlen mit dem „Anfang“, weil sie ihren Aberglauben von Kindheit an eingesogen haben. Unter diesem Vorwand gestatten sie sich, die offenbare Wahrheit schnöde zurückzuweisen. Eine solche Hartnäckigkeit dient uns zum Beweise, dass man in erster Linie immer auf die Richtigkeit der Lehre und nicht auf ihr Alter sehen muss.
So bei euch bleibt, was ihr von Anfang gehört habt, so werdet ihr auch bei dem Sohn und dem Vater bleiben. Und das ist die Verheißung, die Er uns verheißen hat: das ewige Leben. – Das ist die Frucht der Beharrlichkeit, dass sie in Gott bleiben, in denen die Wahrheit Gottes bleibt. Daraus ersehen wir, was bei der ganzen Lehre der Frömmigkeit das Hauptanliegen sein muss. Den rechten Fortschritt hat man erst erreicht, wenn man völlig an Gott hängt. In wem aber nicht der Vater durch den Sohn wohnt, der ist ganz leer und eitel, was für Wissenschaften er auch haben mag. So ist dies das beste Lob der gesunden Lehre, dass sie uns mit Gott verbindet und wir in ihr finden, was zum wahren Genuss Gottes gehört. Zuletzt erinnert der Apostel daran, dass das wahres Glück ist, wenn Gott in uns wohnt. Kurz, wir werden nicht anders wirklich leben, als wenn der Same des Lebens in unsere Herzen aufgenommen und bis zum Ende genährt wird. Johannes betont stark, dass in der Erkenntnis Christi nicht nur der Anfang, sondern auch die Vollendung des seligen Lebens liegt. Und das kann nicht oft genug wiederholt werden, weil dies bekanntlich immer eine Ursache des Verderbens für die Menschen gewesen ist, dass sie, nicht zufrieden mit Christus, eine Sucht hatten, von dem einfachen Evangelium abzuschweifen.
Solches habe ich euch geschrieben von denen, die euch verführen. Und die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibet bei euch. – Wiederum entschuldigt sich der Apostel, dass er die Leser ermahnt, da sie doch mit Einsicht und Urteil begabt waren. Das tut er aber deshalb, damit sie das Urteil des Geistes anwenden, damit die Mahnung nicht unfruchtbar sei. Es ist, als wollte er sagen: Ich tue meine Schuldigkeit, aber inzwischen ist es nötig, dass der Geist Gottes euch in allen Dingen leite. Denn wenn jener nicht innerlich redet, so werde ich mit meiner Stimme vergebens nur eure Ohren oder gar nur die leere Luft berühren. Wenn wir hören, er habe über die Verführer geschrieben, so lasst uns immer beachten, dass einem guten und eifrigen Hirten nicht allein die Sorge obliegt, die Schafe zu sammeln, sondern auch die Wölfe zu verscheuchen. Was wird es nützen, das reine Wort des Evangeliums erschallen zu lassen, wenn wir vor den offenbaren Verführungen des Satans die Augen zudrücken? Nur der kann ein treuer Lehrer der Kirche sein, der darauf bedacht ist, Irrlehren, wenn solche von Verführern ausgestreut werden, zurückzuweisen. Dass wir (Vers 27) die Salbung von ihm empfangen haben, beziehe ich auf Christus.
Und bedürft nicht, dass euch jemand lehre. – Johannes würde lächerlich sein, wenn er die Leser ganz überflüssiger Weise belehrte. Er schreibt ihnen also nicht so viel Weisheit zu, dass sie aufhörten, Christi Schüler zu sein. Er deutet nur an, sie seien keineswegs ganz ungelehrt, so dass sie belehrt werden müssten, als wären ihnen diese Dinge ganz unbekannt; er bringe auch nichts anderes vor, als was der Geist Gottes sie ohnehin lehre. Irrtümlich reißen also schwärmerische Menschen dies Zeugnis an sich, um den Dienst am Worte aus der Kirche auszuschließen. Der Apostel sagt, die Gläubigen, durch den Heiligen Geist gelehrt, wüssten schon, was er ihnen überliefert, so dass sie nicht nötig hätten, gleichsam Unbekanntes zu lernen. Er sagt das, um seiner Lehre mehr Gewicht zu geben; denn ein jeder findet das Siegel derselben in seinem Herzen, durch die Hand Gottes aufgedrückt, vor. Da sich übrigens bei einem jeden die Einsicht nach dem Maß des Glaubens richtet, der Glaube aber bei den einen klein ist, bei den anderen mittelmäßig, bei keinem vollkommen, so folgt daraus, dass keiner so viel weiß, dass er nicht noch Fortschritte machen könnte. Sodann ist dies der andere Nutzen der Lehre, dass die Leute, wenn sie auch redlich festhalten, was gut ist, doch durch unser Ermahnen und Ermuntern noch größere Festigkeit gewinnen. Denn wenn Johannes sagt, dass sie über alles vom Geiste belehrt würden, so darf das nicht so ganz allgemein verstanden, sondern muss aus dem Zusammenhang erklärt werden. Kurz, er hat nichts anderes im Auge, als ihren Glauben zu befestigen, indem er sie auf das Zeugnis des Geistes hinweist, der allein die Lehre beurteilen und bestätigen kann, indem er sie unseren Herzen versiegelt, so dass wir sicher wissen: Gott redet. Denn da der Glaube auf Gott schauen muss, so muss Gott selbst Sein eigener Zeuge sein, um unseren Herzen die Überzeugung beizubringen, was unsere Ohren hören, sei von Ihm ausgegangen. Das bedeuten die Worte: Wie euch die Salbung lehrt, so ist es wahr. Der Geist ist gewissermaßen ein Siegel, durch welches uns die Wahrheit Gottes besiegelt wird. Der Zusatz: Und ist keine Lüge, deutet auf das andere Amt des Geistes, nämlich uns durch Urteilskraft und Unterscheidungsgabe zu leiten, damit wir nicht durch die Lüge uns täuschen lassen, nicht im Ungewissen und Unklaren hängen bleiben, nicht wankend werden, als wären es unsichere Sachen.
Wie sie euch gelehrt hat, so bleibt bei dem selbigen. – Der Apostel hatte gesagt, der Geist bleibe bei ihnen; jetzt mahnt er, sie sollten bei Seiner Offenbarung bleiben; zugleich bezeichnet er die Art der Offenbarung: Bleibt, sagt er, bei Christus, wie euch der Geist gelehrt hat. Ich weiß, dass man gewöhnlich anders auslegt: Bleibt bei derselben, nämlich der Salbung. Aber da die Wiederholung, die bald folgt, nur auf Christus passt, so ist mir nicht zweifelhaft, dass auch hier von Christus die Rede ist; der Zusammenhang fordert das. Der Apostel ist darauf bedacht, dass die Gläubigen die reine Erkenntnis Christi festhalten und dass sie auf keinem andern Wege Gott suchen sollen. Inzwischen zeigt er klar, dass die Kinder Gottes zu keinem anderen Zweck vom Geiste erleuchtet werden, als um Christus kennenzulernen. Er hält ihnen auch die Frucht der Beharrlichkeit vor, wenn sie sich von Christus nicht abbringen lassen, nämlich dass sie Freudigkeit haben werden und nicht zuschanden werden bei Seiner Zukunft. Der Glaube ist ja nicht ein nacktes und kaltes Ergreifen Christi, sondern ein lebendiges und wirksames Empfinden Seiner Macht, das Freudigkeit erzeugt. Der Glaube würde sonst nicht stehenbleiben, da er täglich von so vielen Wogen angegriffen wird, wenn er nicht auch auf Christi Wiederkunft schaute und, durch ihre Kraft unterstützt, den Gewissen Ruhe schaffte. Aufs Beste wird das Wesen der Freudigkeit ausgedrückt, wenn es heißt: Sie erträgt furchtlos die Gegenwart Christi. Die sorglos ihren Sünden frönen, kehren Gott den Rücken und finden nur im Vergessen Gottes Frieden. Das ist die Sicherheit des Fleisches, welche die Menschen stumpf macht, so dass sie sich von Gott abkehren, vor der Sünde nicht zurückscheuen und den Tod nicht fürchten. Indessen fliehen sie den Richterstuhl Christi. Die fromme Freudigkeit aber ruht allein im Anblicken Gottes. Daher kommt es, dass die Frommen ruhig Christus erwarten und nicht vor Seinem Anblick erzittern.
So ihr wisset, dass er gerecht ist, so erkennt auch, dass, wer recht tut, der ist von ihm geboren. – Der Apostel geht wiederum zu Ermahnungen über, wie er solche in dem ganzen Brief mit der Lehre vermischt. Durch viele Gründe beweist er, dass der Glaube notwendig mit einem heiligen und reinen Leben verbunden sein muss. Das erste ist, dass wir geistlich zur Ähnlichkeit Christi geboren werden. Daraus folgt, dass nur der von Christus geboren ist, der recht lebt. Es ist übrigens ungewiss, ob der Apostel Christus oder Gott meint, wenn er sagt: Wer recht tut, der ist von „Ihm“ geboren. Die gewöhnliche Redeweise in der Schrift ist, dass wir aus Gott geboren werden in Christus. Doch lässt sich auch ohne Anstoß sagen, dass ein Mensch aus Christus geboren wird, wenn er die Erneuerung durch Seinen Geist erfährt.