Robert Louis Balfour Stevenson
Leseprobe
Ich erinnere mich deutlich, als wäre es gestern gewesen, wie er schwerfällig zur Türe hereinstapft, eine Seemannskiste auf einem Schubkarren hinter sich. Ein großer, breitschultriger, dunkelhäutiger Kerl, dem der Matrosenzopf über die Achsel eines schmutzigen blauen Rockes fiel. Seine Hände waren schwielig und zerschunden, die Nägel schwarz und brüchig, quer über die eine Backe lief eine schmutzig-schwarze Narbe von einem Säbelhieb. Ich sehe ihn noch vor mir, wie er sich leide pfeifend in der Bucht umsah und dann mit hoher, zittriger Fistelstimme, die an eine verrostete Gangspillspeiche erinnerte, das alte Seemannslied anstimmte, das er später so oft sang:
„Fünfzehn Mann auf des toten Manns Truh‘ –
Jo-ho-ho und ‘ne Buddel voll Rum!“
(Ausschnitt aus: Robert Louis Stevenson – Die Schatzinsel; Könemann Verlag)
Inhalt
Die Geschichte der Schatzinsel – eigentlich fängt sie erstmal ganz harmlos an… ein alter Seebär kreuzt im „Admiral Benbow“ auf – mit einer geheimnisvollen Kiste, das Seemannslied „Fünfzehn Mann auf des toten Manns Truh‘ – Jo-ho-ho und ‘ne Buddel voll Rum!“ singend – und lässt sich dort nieder.
Und damit beginnt die abenteuerliche Reise des Jim Hawkins, auch wenn noch etwas Zeit ist, bis er sich – zusammen mit dem Arzt Dr. Livesey, Squire Trelawney und anderen auf die Schatzsuche begibt – die Suche nach dem Schatz des legendären und berüchtigten Piraten Flint. Doch scheinen sie nicht die einzigen zu sein, die ein Interesse haben, denn schon früh zeigen sich dubiose und seltsame Gestalten im „Admiral Benbow“ – und als Jim Hawkins Vater, der Wirt des „Admiral Benbow“ erkrankt und verstirbt, da dreht sich plötzlich das Rad der Geschichte immer schneller…
Biographie
Robert Louis Balfour Stevenson wurde 1850 in Edinburgh geboren. Als Kind einer Ingenieurs-Familie wurde er sehr calvinistisch-presbyterianisch aufgezogen, was ihn auch hinsichtlich seines erzählerischen Talentes prägte, denn schon früh begann Stevenson mit dem Schreiben von Essays und Geschichten. Mit 17 immatrikulierte er sich an der Uni Edinburgh für ein technisches Studium, wechselte aber aufgrund seiner schon als Kind angegriffenen gesundheitlichen Situation nach einigen Jahren in die Rechtswissenschaften. Mit der Zeit entfernte sich Stevenson theologisch immer weiter von seinem ursprünglichem Glaubensbild bis hin zum Atheismus und entfremdete sich damit auch immer mehr von seinem Elternhause.
1880 heiratete Stevenson die 10 Jahre ältere Fanny Osbourne, die aus erster Ehe drei Kinder mitbrachte. Mit Beginn der 80er Jahre verschlechterte sich auch seine Gesundheit drastisch; und Tuberkulose wurde bei ihm diagnostiziert. In dieser Phase schrieb Stevenson seinen wohl bekanntesten Roman: Die Schatzinsel, welcher nach seinem Erscheinen 1883 zum Bestseller wurde. Die folgenden Jahre reiste Stevenson aufgrund seiner gesundheitlichen Situation viel – oder war bettlägerig. 1886 erschien mit Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde sein zweiter großer Erfolg, dessen Hintergrund auf einer authentischen Begebenheit basiert.
Ende der 80er Jahre erfolgten seien Südseereisen und zu Beginn der 90er Jahre der Umzug nach Samoa. In dieser Zeit blieb Stevenson weiterhin literarisch tätig. 1894 starb er auf Samoa an den Folgen einer Hirnblutung.
Bewertung
Ein hervorragendes Buch, was nicht nur spannend und vielschichtig erzählt ist, sondern auch einen bedeutenden sozial und charakterlich gezeichneten Tiefgang der handelnden Personen aufweist – dieses Buch sollte meiner Ansicht nach jeder mindestens einmal gelesen haben!