23. Dezember

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Lukas 19.10:

Denn des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, das verloren ist!

 

Unter dem Worte „das verloren ist“ verstehe ich einen, welcher derartig verloren ist, das für ihn hienieden bei aller Kreatur keine Hilfe mehr zu finden ist. Da ist für ihn keine Rettung möglich, und der Mensch kann sich selbst am wenigsten retten. Der erste Schritt aber auf dem Wege des Lebens ist das Gefühl der Verlorenheit. Dieses Gefühl der Verlorenheit bringt der Heilige Geist uns bei. Er kommt mit dem allerheiligsten Gesetz und guten Gebot, und nun geht es verschieden zu. Der eine hat ganz wüst gelebt, sich äußerlich in allerlei Lastern gewälzt, Gott ins Angesicht geschlagen und gesprochen: Wenn Gott mich noch siebenmal härter straft, so will ich mich doch nicht bekehren! Bei dem anderen geht es so still und langsam zu, er hat mehr eingezogen gelebt in Folge einer guten Erziehung. Aber wenn Gott kommt mit seinem Gesetz, fühlen beide gleich scharf ihre Verlorenheit. Da kann der eine Sünde ausgetrunken haben wie Wasser, der andere nur eine Nadel gestohlen haben, mehr nicht, – wo das Gesetz kommt, deckt es die innere Verlorenheit so sehr auf, dass dem Menschen all sein Tun vorgerückt und vorgehalten wird, wie er ohne Leben und ohne Gott in der Welt ist, und dass er, wenn er so stirbt, ewiglich verdammt ist. Dieses Gefühl der Verlorenheit bleibt denen, welchen der Geist es gibt, so lange bei, wie es dem Geiste gefällt. So lange, bis es die Zeit der Minne oder der Liebe des Herrn ist, die Seele gefangen zu nehmen in der Macht seiner Gnade und zu der Seele zu sprechen: Ich bin dein und du bist mein.

(Kohlbrügge)