6. Jona-Predigt

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

VI. Predigt über den Propheten Jona: Kapitel 4

 

 

Nach Anleitung des dritten Kapitels unseres Propheten haben wir es vernommen: Es geht gut, ja es geht wunderbar gut, wenn ein Menschenkind sich beugt unter das Wort der Gnade! Denn das Wort schafft vor ihm her und stellt es alles für ihn dar, so dass ein schwacher und zu allem untüchtiger Mensch den guten, wohlgefälligen und vollkommenen Willen Gottes tut. Wir haben ferner vernommen: Wenn wir es durch des Geistes Belehrung glauben, dass wir von dem Gesetz los und ihm abgestorben, und dass wir eines andern Mannes geworden sind, nämlich des, der von den Toten auferweckt ist, so tragen wir, die wir früher dem Tode Frucht getragen haben, alsbald Gott Frucht. Ja, eine solche Frucht, welche ganz nach dem Gesetz ist, wie es geistlich richtet! Wir haben es vernommen: Gehen wir an der Hand der Gnade, so sind alsbald alle schönen christlichen Tugenden und guten Werke zur Stelle, so ist gewiss die Frucht des Geistes da, als da ist: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit, und da ist kein Gesetz gegen uns.

Laßt und des aber eingedenk bleiben, dass es des Geistes Frucht ist, die Frucht welche wir Gott bringen. Ich will Israel wie ein Tau sein, dass es soll blühen wie eine Rose. An mir soll man deine Frucht finden ist unseres Herrn Christi Wort bei dem Propheten Hosea. Denn die Frucht des Geistes wächst wahrlich nicht auf unsrem Acker. Was wir Gott angenehm sind, dass sind wir angenehm allein in der Gnade Jesu über uns. Was wir haben, haben wir allein in der Gemeinschaft Christi. Was wir Gott bringen, ist lediglich aus Gott, durch Ihn und zu Ihm. Das große Wort bleibt fest allen Elenden, die auf den Herrn harren: Ich bin euer Gott, aber auch dieses Wort: Ihr Schafe, ihr Schafe meiner Weide, ihr seid Menschen. Sind wir der Meinung, wir könnten und sollten etwas, nachdem wir zur Belehrung gekommen sind, so müssen wir uns bitter getäuscht finden. Wir haben uns, so lange die Erlösung des Leibes noch nicht völlig da ist, mit unserem uns angewiesenen Platz, dass wir Menschen sind, zu begnügen, und der Gnade Jesu Christi haben wir die Krone und Herrschaft zu lassen. Wer es anders haben will, kann keinen Frieden haben. Die ganze Heilige Schrift, jedes Kapitel in derselben dient zum Belege, dass allein die Gerechtigkeit Christi vor Gott gilt, und dass unsere Ungerechtigkeit diese Gerechtigkeit nur umso mehr verherrlicht! Der Leib ist tot um der Sünde willen und nur der Geist ist Leben und Friede um der Gerechtigkeit willen. Ist aber Christus in uns, so wird der Geist dessen, der Jesus aus den Toten erweckt hat, auch unsere sterblichen Leiber lebendig machen nach Seinem Willen und wann Er will. Was soll der Apostel Paulus antworten auf die Frage des verzagten Herzens, ja auch auf die Frage des trotzigen Herzens: Wenn du lehrest, dass wir ganz in Übereinstimmung mit dem Gesetz sind, wenn uns die Gerechtigkeit des Glaubens zugerechnet wird von Gott, wo bleibst du dann aber mit dem menschlichen Elende, woran du doch reichlich Anteil hast? Soll er dieses Elend leugnen und sagen, es sei dies Elend nicht mehr da? Keineswegs! So antwortet er: Jesus Christus, hat uns freigemacht von dem Gesetze der Sünde und des Todes. Und was das Elend angeht: Wer will verdammen? schreibt Paulus, Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns. Welche er zuvor versehen hat, die hat er auch verordnet, dass sie gleich sein sollen dem Ebenbilde Seines Sohnes, auf dass derselbige der Erstgeborene  sei unter vielen Brüdern. Soll Er aber der Erstgeborene sein, so ist Er auch der Erbe, und es sei das unsere Freude und Ruhm, dass wir Seine Miterben sind. Denn so fließt uns alles zu aus den Reichtümern der Schätze Seiner Gnade. Und also steht unser Trost, der Trost aller derer, die sich bei sich selbst sehnen nach der Kindschaft, nach des Leibes Erlösung. Denn diejenigen, welche sich darnach sehnen, bekennen, dass sie an und für sich selbst Menschen sind und nichts mehr. Das bekennen sie aber nicht mit Gleichmut; so haben sie denn den Trost der Schrift in ihrer Anfechtung, dass sie deshalb nicht verdammt werden, weil sie sich Menschen zeigen, dass vielmehr der Herr sie trage in Seiner Geduld und Langmut und mit ihnen väterlich schonend umgehe. Solchen Trost gewähre uns der Herr auch heute aus der Betrachtung des vierten Kapitels des Propheten Jona, welches also lautet:

 

Jona 4

Das aber verdross Jona sehr, und er ward zornig und betete zu Herrn und sprach: Ach, Herr, das ist’s ja, was ich dachte, als ich noch in meinem Lande war, weshalb ich auch eilends nach Tarsis fliehen wollte; denn ich wusste dass du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und lässt dich Übels gereuen. So nimm nun, Herr, meine Seele von mir; denn ich möchte lieber tot sein als leben.

Und Jona ging zur Stadt hinaus und ließ sich östlich der Stadt nieder und machte sich dort eine Hütte; darunter setzte er sich in den Schatten, bis er sähe, was der Stadt widerfahren würde. Gott der Herr aber ließ einen Kürbis wachsen; der wuchs über Jona, dass er Schatten gäbe seinem Haupt und ihm hülfe von seinem Unmut. Und Jona freute sich sehr über den Kürbis. Aber am Morgen, als die Morgenröte anbrach, ließ Gott einen Wurm kommen; der stach den Kürbis, dass er verdorrte. Als aber die Sonne aufgegangen war, ließ Gott einen heißen Ostwind kommen, und die Sonne stach Jona auf den Kopf, dass er matt wurde. Da wünschte er sich den Tod und sprach: Ich möchte lieber tot sein als leben.

Da sprach Gott zu Jona: Meinst du, dass du mit Recht zürnst um des Kürbis willen? Und er sprach: Mit recht zürne ich bis an den Tod. Und der Herr sprach: Dich jammert der Kürbis, um den du dich nicht gemüht hast, hast ihn auch nicht aufgezogen, der in einer Nacht ward und in einer Nacht verdarb, und mich sollte nicht jammern Ninive, eine so große Stadt, in der mehr als hundertundzwanzigtausend Menschen sind, die nicht wissen, was rechts oder links ist, dazu auch viele Tiere?

Wir sehen in diesem Kapitel:

1. Wie es den Jona verdross, dass Gott nicht tat, was Er ihn hatte predigen lassen.

2. Dass Jona seinen verkehrten Weg vor Gott behauptet, in seiner Rechthaberei die Tugenden Gottes antastet, und den Herrn bittet, er möge seine Seele von ihm nehmen.

3. Dass darauf der Herr es ihm zu bedeuten gibt, ob er billig zürne.

4. Dass aber Jona darauf nicht Acht gibt und sich  außerhalb der Stadt eine Hütte baut, um zu sehen, ob nicht vielleicht Gott Seine Predigt noch handhaben würde.

5. Dass daselbst Gott einen Kürbis über sein Haupt wachsen und denselben Tags darauf wieder dürre werden lässt, wobei Jona so voll Eigenleibe ist, dass er lieber den Kürbis hätte bestehen lassen zu seinem Nutzen, als die Niniviten zur Verherrlichung der Erbarmung Gottes.

6. Dass sogar Jona über den Verlust dieses Kürbisses so unmutig wird, dass er sich von neuem den Tod wünscht.

7. Wie Gott der Herr in Seiner großen Langmut ihn an dem Kürbis belehrt, dass Jona, wo es um die Anwendung ging, Gottes Wege und Wesen gar nicht verstand und Gott ganz unähnlich war.