3. Jona-Predigt

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III. Predigt über den Propheten Jona: 2.8 – 2.10

 

 

Jona 2.8 – 2.10

Da meine Seele bei mir verzagte, gedachte ich an den Herrn; und mein Gebet kam zu dir in deinen heiligen Tempel. Die da halten über dem Nichtigen, verlassen ihre Gnade. Ich aber will mit Dank opfern; meine Gelübde will ich bezahlen dem Herrn, dass er mir geholfen hat.

Ich bin wie ein verirrtes und verlorenes Schaf, suche deinen Knecht, denn ich vergesse deiner Gebote nicht. Diese Klage, Bitte und Beteuerung lesen wir am Schluss des 119. Psalms. Es scheint ein Widerspruch darin zu liegen, denn wie kann man irren gleich einem verlorenen Schaf und doch dabei beteuern vor dem Herrn ich vergesse deiner Gebote nicht? Die Sache ist aber einfach: Was nur immer Leben hat, kann es ohne Gottes Gemeinschaft hier nicht aushalten. Was nur Leben hat, kann nicht leben ohne diesen Trost des heiligen Geistes, dass es dessen gewiss ist: Der Herr dort oben ist mein Gott! Ist es aber wie ein Schiff vom Anker geschlagen und den Wellen preisgegeben, hin und hergeschleudert von allem Winde der Not, der Sünde, der Anfechtung, geht es einher einsam, verlassen, kann es gar den Weg nicht mehr finden, wo die Herde Gottes lagert, fühlt es sich ohne den großen Hirten der Schafe, muss es abgezehrt und abgehärmt am Irren bleiben – so wird alles, was Leben hat eben dann am meisten an die Gebote des großen Hirten denken! Ach, wo ich in Not und in Anfechtung stecke, wo ich verschlagen bin von dem Grund, in dem mein Anker ruhen soll, wenn ich meinen Herrn, meinen Hirten und Seelenbräutigam verloren habe: So fühle ich mich des Todes, so sehe ich nur Umkommen, so fühle ich mich wie ein Schaf, das von der Herde weggelaufen ist. Es gibt aber der Wölfe viele im Walde und auf dem Felde; ich bin zu ängstlich und auch ganz ohnmächtig, irgendeinen Schritt zu tun. Ich sehe allerwärts Gefahr und Verderben, aber meinen Hirten sehe ich nicht. Ich kann Ihn auch nicht aufsuchen, kann Ihn nicht wiederfinden, wenn Er sich nicht zu finden gibt. Da blökt denn das arme Tier: Ich bin dein Knecht, ich bin deine Magd, ich bin dein Schaf. Ja, dieses ‚Ich bin dein’ – es kommt aus dem Herzen, wenn man es am allerwenigsten glauben darf! Denn der Geist gibt es, dass man aller Sünden trotz und ob man sich auch nichts zueignen kann und den Blick um so mehr auf den ewigen Lobpreis richte. Und so hört dann das Schaf nicht auf zu blöken: ‚Suche mich, suche mich’, und weiß wohl einen Grund anzuführen, warum der Herr es suchen möge – nämlich weil es des Herrn Gebote eingedenk ist. Und dieser Grund ist ohne Falsch! Bei dem Bekenntnis ich bin wie ein verirrtes und verlorenes Schaf kann derjenige, der solches bekennt, unmöglich des Herrn Gebote vergessen. Welche Gebote kann er nicht vergessen? Der Herr hat seinem Jakob den Befehl gegeben, dass er den Segen haben soll und das Leben! Segen und Leben – dies sind also die Gebote Gottes! Kann eine Seele solcher Gebote vergessen, wenn sie es einmal gehört hat von dem Herrn? – Wenn sie gehört hat: Meine Gnade soll von dir nicht weichen? Kann sie derselben vergessen, auch wenn sie sich später durch und durch Sünde, gänzlich gnadenlos und gottlos findet? Mit nichten! Es breche die Not herein und mit der Not der Fluch und die Verdammung, dass der Herr den Segen geboten hat – solches kann sie nimmermehr vergessen! Es überwältige sie der Tod mit seinem Grausen in allerlei Gestalt, der Untergang und das Umkommen von allen Ecken und Enden – dass der Herr das Leben geboten hat, dessen bleibt sie eingedenk! Aber dass Not und Tod, dass Sünde und Verdammung da ist – und es sollte Leben und Segen da sein, solches erweckt die Angst und steigert sie wohl mal bis zur Verzweiflung! Dies alles erweckt das Ringen, das herzzerbrechende Blöken des Schafes. Es soll, es muss wieder Segen und Leben da sein. Wie weit auch von dem Herrn verschlagen, wie es auch auf das Äußerste mag gekommen sein, und ob es auch immer dunkler werde, umso mächtiger liegt doch in der Seele das Gedenken an Leben und Segen, das Gedenken an den Herrn. Und sie kommt, sie kommt auch am Ende wieder, die Verheißung der Hilfe von dem Allmächtigen! Was aus Gott ist, hat die Schlacht gewonnen – eben dann, wenn es dieselbe verloren hat! Höret was Jona davon bezeugt.

Wir lesen:

Da meine Seele bei mir verzagte, gedachte ich an den Herrn; und mein Gebet kam zu dir in deinen heiligen Tempel. Die da halten über dem Nichtigen, verlassen ihre Gnade. Ich aber will mit Dank opfern; meine Gelübde will ich bezahlen dem Herrn, dass er mir geholfen hat.