JONA-PREDIGTEN

1. Jona-Predigt - VI.

 

VI. Kommt es mit uns auf die Spitze, so wird es offenbar vor der Welt, wes Geistes Kinder wir sind.

Müssen wir es vor dem Himmel und vor den Heiden bekennen, dass wir nicht haben losziehen wollen auf das gottlose Ninive unseres Herzens, damit es errettet sei durch das Wort, stehen wir da als Schuldner Angesichts des Himmels und der Hölle. Als Schuldner darum, weil wir uns gesträubt haben wider das Wort der Gnade, dass wir dasselbe nicht gegen uns wollten gelten lassen, auf dass Gnade allein Gnade sei und bleibe! Hat uns diese Ungerechtigkeit gefunden, so werden wir, wenn wir eines bösen Geistes Kinder sind, alsbald zusammenbrechen. Es ist mit allem Mut und allem Leben dahin. Wir lassen die Welt fromm und ihren Gott den rechten Gott sein, und verleugnen unseren Gott und Seine Gnade! Sind wir aber des heiligen Geistes Kinder, so lassen wir bei allem dem Gotte Seine Ehre und handhaben diese Ehre Angesichts alles Fleisches mitten in unsrer Verlorenheit. Obschon uns unsere Ungerechtigkeit gefunden hat, und wir als Sünder dastehen, so lassen wir dem Fleische und den Götzen doch gar keinen Ruhm, als stecke in dem einen Fleische mehr Gerechtigkeit als in dem anderen, oder als könnten die Götzen helfen. Darum antwortet Jona, Angesichts seiner Sünden, Angesichts der Heiden, Angesichts des Todes und Angesichts Gottes, vor dem er schuldbewusst dastand: Ich bin ein Hebräer und fürchte den Herrn Gott vom Himmel, welcher gemacht hat das Meer und das Trockne. Wenn er sagt: Ich bin ein Hebräer, so sagt er fast dasselbige als: Ich bin heilig, ich bin von dem Herrn erwählt, ich bin übergegangen aus dem Tode in das ewige Leben. Wenn er sagt: Ich fürchte den Herrn, so gibt er zu verstehen, dass es ihm vor Tod und Teufel, auch vor seiner eignen Verkehrtheit und vor dem den Rachen aufsperrenden Abgrund nicht bange ist, sondern dass er allein den Herrn fürchtet, liebt, ehrt und Ihm dienet, wenn er auch nur das Widerspiel aufzuweisen hat. Und wenn er hinzufügt: Welcher gemacht hat das Meer und das Trockene, so behauptet er damit seines Gottes Ehre vor den Heiden und predigt ihnen, dass ihnen ihre Götzen nichts nützen, weil der Herr allein alles in Seiner Hand hat.

Was sollen wir von Jona lernen? Was will der heilige Geist mit diesem Bekenntnisse die Gemeinde lehren? Dieses: Dass wir von Gottes Gerechtigkeit predigen und uns den Mund nicht sollen stopfen lassen, eben dann wenn der Teufel uns mit unsrer Ungerechtigkeit in’s Angesicht schlägt! Eben dann, wenn Gesetz, Himmel und Erde, Freund und Feind uns als den Sünder festgenommen haben und wir wie gebannt an dem Rande des Abgrundes stehen. Wenn ich mich heilig fühle, habe ich gut predigen: Ich bin ein Hebräer und fürchte den Herrn! Wenn ich aber dastehe wie ein armer Sünder, wie ein solcher, der Gottes Gnade und Gottes Willen widerstrebt hat, dann geht es eben darum, dass ich mit diesem Bekenntnisse Sünde und Abgründe zerhaue und den Heiden ihre Götzen nicht lasse! Denn obwohl an mir die Schuld liegt, so liegt sie doch nicht an meinem Gott! Darum soll Er gepriesen bleiben und sollen auch Seine Gnade und Macht gepriesen bleiben! Und sollte ich auch zu Grunde gegangen sein. Da werde ich denn wohl ein Hebräer sein und bleiben. Denn daran erkennt man die Kinder Gottes: Wohl wollen sie wissen, dass sie Buben sind, aber ihr Vater soll ihr Vater bleiben!