RÖMER

Römer Kapitel 1 Teil III

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Römer 1.13-15

Ich will euch aber nicht verhalten, lieber Brüder, dass ich mir oft habe vorgesetzt, zu euch zu kommen (bin aber verhindert bisher), dass ich auch unter euch Frucht schaffe gleichwie unter anderen Heiden. Ich bin ein Schuldner der Griechen und der Ungriechen, der Weisen und der Unweisen. Darum, soviel an mir ist, bin ich geneigt, auch euch zu Rom das Evangelium zu predigen.

 

Ich will euch aber nicht verhalten. – Der bisher bezeugte Eifer, die Römer persönlich besuchen zu wollen, müsste unglaubwürdig erscheinen, wenn Paulus nicht jede dafür gebotene Gelegenheit ergriffen hätte. Darum spricht er jetzt davon, dass es nicht an Versuchen, sondern nur an der Gelegenheit gefehlt habe. Die Ausführung des längst gehegten Planes wurde immer wieder verhindert. Wir lernen daraus, dass Gott oft die Pläne der Seinen stört, um sie zu demütigen und durch solche Demütigung zu gewöhnen, dass sie mit Seiner Vorsehung rechnen und sich ganz von derselben abhängig machen. Und doch werden die Frommen nicht eigentlich von ihren Vorsätzen abgebracht, denn sie hegten keine Vorsätze ohne Gottes Willen. Mit solcher Sicherheit Zukunftspläne zu entwerfen, als stünde die Ausführung ganz bei uns, das ist die Art anmaßlichen Unglaubens, welche Jakobus in 4.13 kräftig tadelt. Wenn Paulus sagt, er sei verhindert worden, so will dies nur so verstanden sein, dass Gott ihm wichtigere Geschäfte zuschob, die er ohne Schädigung der Kirche nicht liegen lassen durfte. Es ist ein Unterschied zwischen den Verhinderungen der Frommen und der Ungläubigen. Diese sehen sich erst dann gehindert, wenn Gott sie mit gewaltsamem Griffe der Bewegung beraubt. Jene betrachten schon als genügenden Hinderungsgrund, dass die Pflicht oder die Rücksicht auf die Erbauung des Nächsten ihnen etwas zu tun verbietet.

Dass ich auch unter euch Frucht schaffte. – Gemeint ist selbstverständlich die Frucht, welche einzusammeln der Herr seine Apostel gesandt hat. Johannes 15.16: „Ich habe euch erwählet, dass ihr hingehet und Frucht bringet, und eure Frucht bleibe.“ Solche Frucht sammelten sie freilich nicht für sich, sondern für den Herrn; und doch redet Paulus davon wie von seinem Eigentum. Denn nichts ist den Frommen mehr eigen, als Gottes Ehre zu verbreiten, daran hängt ihre ganze Seligkeit. Dass er aber unter andern Heiden Frucht geschafft habe, erwähnt der Apostel, um den römischen Christen Mut zu machen: Dessen fruchtbares Wirken unter so viel Heiden verspürt ward, der wird zu ihnen nicht leer kommen.

Der Griechen und der Ungriechen, der Weisen und der Unweisen. – Das erste Glied findet seine Erklärung durch das zweite. Wenn es die Pflicht und Schuldigkeit des Apostels erheischt, so darf man es ihm nicht als Anmaßung auslegen, dass er meint, selbst die hoch gebildeten, klugen und erfahrenen Römer noch etwas lehren zu können. Gottes Wohlgefallen war es, ihn auch den Weisen zum Lehrer zu setzen. Zwei Wahrheiten gilt es hier zu erwägen: Den Weisen bietet Gottes Ordnung das Evangelium an; damit will der Herr alle Weisheit der Welt sich unterwerfen und will allen Scharfsinn, jegliche Wissenschaft und hohe Kunst unter die Einfachheit dieser Lehre erniedrigen. So rücken die Weisen auf eine Stufe mit den Unweisen und müssen so demütig werden, dass sie als Mitjünger unter dem einigen Meister Christus gelten lassen, die sie zuvor nicht einmal als eigene Jünger aufgenommen hätten. Andererseits dürfen von dieser Jüngerschaft die Unweisen nicht ausgeschlossen, ja die dürfen auch nicht im Entferntesten durch einen hohen Schein davon abgeschreckt werden. Denn Paulus war ihr Schuldner, und zwar ein vertrauenswürdiger; denn er zahlte, was er schuldig war. Hier werden sie finden, was sie fassen können. Hier empfangen auch alle Lehrer die beachtenswerte Regel, dass es gilt, sich auch den Unweisen und Törichten herablassend und freundlich anzupassen. Bei solchem Verfahren werden sie die Unreife mit größerem Gleichmut ertragen und unzählige Anstöße über sich ergehen lassen, welchen sie sonst unterliegen würden. Doch sollen sie wissen: Die Schuldigkeit gegen die Toren erstreckt sich nicht so weit, dass um einer gar zu großen Nachgiebigkeit willen die Torheit bleiben dürfte, was sie ist.

Darum, soviel an mir ist, bin ich geneigt, auch euch zu Rom das Evangelium zu predigen. – Damit schließt der Apostel die Aussprache über seine Sehnsucht nach Rom. Es ist seine Pflicht, auch dort das Evangelium zu predigen und dem Herrn Frucht zu schaffen. Diesem Beruf zu folgen ist sein Wunsch, soweit es Gott erlaubt.