Epheser Kapitel 1 Teil II

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Epheser 1.7-12

An welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade, welche uns reichlich widerfahren ist durch allerlei Weisheit und Klugheit; und er hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Wohlgefallen, so er sich vorgesetzt hatte bei sich selbst, dass es ausgeführet würde, da die Zeit erfüllet war, auf dass alle Dinge zusammen verfasset würden in Christus, beide, das im Himmel und auf Erden ist, durch ihn, durch welchen wir auch zum Erbteil kommen sind, die wir zuvor geordnet sind nach dem Vorsatz des, der alle Dinge wirkt nach dem Rat seines Willens, auf dass wir etwas seien zu Lob seiner Herrlichkeit, die wir zuvor auf Christus hofften.

 

An welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade… – Diese Sätze beschäftigen sich noch mit der vermittelnden Ursache unseres Heils. Sie legen dar, wie Christus uns mit Gott wieder versöhnte, indem Er durch Seinen Tod uns das Wohlgefallen des Vaters zuwandte. Suchen wir also in Christus Gnade, so sollen wir unsere Gedanken ganz besonders auf sein Blut richten. Die Erlösung wird dann genauer als Vergebung der Sünden beschrieben: Wir sind also erlöst, weil die Sünden uns nicht zugerechnet werden. Das ist die Gerechtigkeit aus Gnaden, die uns den Zugang zu Gott eröffnet und uns aus der Macht des Teufels und des Todes befreit. Wir müssen diesen Zusatz wohl beachten, weil er die Art und Weise der Erlösung näher bestimmt. Solange wir unter dem göttlichen Strafurteil stehen, liegen wir in jämmerlichen Banden: Köstliche Freiheit genießen wir erst, wenn wir von der Schuld losgesprochen werden.

Nach dem Reichtum seiner Gnade. Damit kehrt die Rede noch einmal zu der eigentlich bewirkenden Ursache unserer Seligkeit zurück: Darum ward uns Christus zum Versöhner gegeben, weil Gott liebreich bereit ist, uns Gutes zu tun. Diese Gnadenbereitschaft rückt der Apostel in ein noch helleres Licht, wenn er nun von dem Reichtum der Gnade spricht, welche uns reichlich widerfahren ist. Es kann sich im Lobpreis der göttlichen Güte gar nicht genug tun, um unseren ganzen Sinn zur Bewunderung hinzureißen. Ach wenn doch dieser Reichtum der göttlichen Gnade den Menschen immer im Gedächtnis geblieben wäre! Dann hätten die falschen Genugtuungen und andere Torheiten, durch welche die Welt sich selbst zu erlösen sucht, als wenn Christi Blut ohne diese Hilfsmittel vertrocknen müsste, keinen Eingang gefunden.

Durch allerlei Weisheit. Das ist nun wieder die Mittelursache, durch welche das Heil erst in Wirklichkeit unser Eigentum wird. Gemeint ist die Predigt des Evangeliums, durch welche Gott Seine Güte über uns ausgießt. Denn nur durch den Glauben gewinnen wir Anteil an Christus, der uns zu Gott führt und die Gnadengabe der Gotteskindschaft schenkt. Mit köstlichen Titeln schmückt der Apostel das Evangelium. Er nennt es Weisheit und Klugheit. Damit will er das Ohr der Epheser von aller Gegenlehre abwenden. Suchten sich doch die Lügenapostel unter dem Vorwande einzuschmeicheln, dass sie eine höhere Weisheit brächten, während Paulus nur Anfangsgründe geboten habe. Und auch jetzt sucht der Teufel noch immer dadurch uns in unserem Glauben wankend zu machen, dass er uns das Evangelium möglichst verächtlich macht. Dem gegenüber sucht Paulus das Ansehen des Evangeliums bei uns zu befestigen, damit die Gläubigen ruhig dabei bleiben und darauf sich stützen: Allerlei Weisheit birgt das Evangelium in sich, so merken wir, dass es keiner weiteren Ergänzung bedarf. Weil aber andererseits auch die überraschende Neuheit des Evangeliums Anstoß erregte, so beugt der Apostel auch in diese Richtung vor: Gott hat uns eben (in Vers 9) das Geheimnis seines Willens wissen lassen, welches Er jetzt erst offenbaren wollte. Und auch diese Berufung ist, wie die Erwählung, ein Ausfluss der freien göttlichen Gnade. Auch das Christus uns bekannt gemacht und das Evangelium uns gepredigt wurde, haben wir nicht verdient. Gottes Wohlgefallen hat es uns geschenkt.

So er sich vorgesetzt hatte bei sich selbst, dass es ausgeführet würde. Es geschieht alles in Seiner Ordnung. Was ist natürlicher, als dass dem Herrn allein Seine Ratschlüsse bekannt sind, und dass diese den Menschen solange verborgen bleiben, als Gott sie bei sich behält, und dass es in Seiner Macht steht, den Zeitpunkt zu bestimmen, wann sie den Menschen Kund werden sollen? Paulus sagt daher, dass der Ratschluss Gottes von der Annahme der Heiden bisher in Gott verborgen gewesen, da Er ihn bei sich verschloss bis zur Zeit der Offenbarung. Sollte nun jemand sich darüber beklagen, dass es etwas Neues und Unerhörtes wäre, wenn Menschen, die bisher ferne von Gott gewesen, jetzt in die Gemeinde aufgenommen wurden, so möge er sich selbst sagen, wie verkehrt der Gedanke ist, als könne Gott nicht mehr wissen wie wir Menschen! Sollte man aber weiter die Frage aufwerfen, warum diese Offenbarung erst jetzt und nicht schon längst geschehen ist, so schlägt Paulus auch diese Neugier nieder, indem er (wie in Galater 4.4) sagt, dass Gottes Ratschluss eben ausgeführt ward, da die Zeit erfüllet war. So möge denn der menschliche Vorwitz an sich halten und sein Urteil über den Wechsel der Geschicke der göttlichen Vorsehung unterwerfen: Denn dass alles nach Gottes Willen ausgeführt wird, versteht sich von selbst.

Auf dass alle Dinge zusammen verfasset würden in Christus. Alles, was außerhalb der Verbindung mit Christus steht, ist losgerissen und verwirrt, und kann nur durch Ihn in rechte Ordnung gebracht werden. Oder sähe man in der Welt sonst wirklich etwas anderes, als ein großes Trümmerfeld? Hat die Sünde uns von Gott losgerissen, so ergibt sich von selbst die traurige Notwendigkeit, dass wir auch in allen anderen Beziehungen verwirrt und verstört sind. Denn nur wenn sie mit Gott im rechten Verhältnis stehen, halten die Geschöpfe auch unter sich die rechte Ordnung. In diesem Sinne sagt der Apostel, dass wir durch Christus und in der Verbindung mit Ihm ‚zusammen verfasset‘ werden. Sind wir dem Leibe Christi eingefügt, so sind wir ja mit Gott und dann auch untereinander verbunden. Ohne Christus ist die Welt ein schreckliches Durcheinander. Er allein bringt die rechte Vereinigung unter uns zustande. Doch inwiefern kann der Apostel sagen, dass in Christus zusammenverfasset ward, nicht bloß was auf Erden, sondern auch was im Himmel ist? Einige Ausleger denken daran, dass Engel und Menschen zusammengefasst und mit Gott vereinigt wurden, in welcher allumfassenden Verbindung sie nun wahre Seligkeit genießen. Aber es hindert nichts, auch von den Engeln für sich zu sagen, dass sie ‚zusammengefasst‘ wurden;  nicht zwar aus einer eigentlichen Zerstreuung, in die sie sich ja niemals verloren hatten, sondern zu vollkommener und gänzlicher Verbindung mit Gott, in der sie nun beständig bleiben sollen. Denn wie könnte irgendein Geschöpf ohne Mittler wahrhaft seinem Gott nahen? Auch die Engel, die doch Geschöpfe sind, konnten erst durch Christus über Wandelbarkeit und möglichen Abfall erhoben werden: So werden sie erst durch Ihn in Ewigkeit selig. Man kann also nicht leugnen, dass sowohl die Engel wie die Menschen durch Christi Gnade in feste Ordnung gebracht worden sind, denn die Menschen waren verloren, und die Engel nicht außer Gefahr. Neide hat Christus dadurch, dass Er sie sich einverleibte, so mit dem Vater verbunden, dass jetzt eine wahre Harmonie im Himmel und auf Erden besteht.

Durch welchen wir auch zum Erbteil kommen sind, die wir zuvor geordnet sind nach dem Vorsatz des, der alle Dinge wirkt nach dem Rat seines Willens. – Hat der Apostel bisher von allen Erwählten insgemein geredet, so macht er jetzt einen Unterschied zwischen sich und den Juden, die gleichsam die Erstlinge der Christen waren, einerseits und den Ephesern andererseits. Für die Epheser bedeutet es sicherlich eine rechte Glaubensstärkung, wenn ein Paulus sie sich selbst und den anderen, die sozusagen die Erstgeburt der Gemeinde bildeten, gleichstellte. Der Apostel will sagen: Im tiefsten Grunde stehen alle Gläubigen auf gleicher Linie; denn auch wir, die Gott zuerst berufen hat, verdanken dies nur Seiner einzigen Erwählung. Alle Christen, vom ersten bis zum letzten, dürfen ihren Kindschaftsstand nur auf freie Gnade und Gottes ewige Wahl gründen.

Der alle Dinge wirkt. Dieser Ausdruck ist zu beachten, denn er zeigt Gott als einen solchen, der alles wirkt nach Seinem eigenen Rat, sodass Er den Menschen nichts übrig lässt. In keiner Weise gestattet Er den Menschen Urteil an diesem Ruhm, als ob diese von dem Ihrigen dazu etwas beitrügen. Gott sieht bei unserer Erwählung auf nichts außer sich, wodurch Er sich bestimmen ließe. Allein der Ratschluss Seines eigenen Willens ist der Grund unserer Erwählung. Welcher Wahnsinn ist es nun, noch einen weiteren Grund zu suchen, und wenn man ihn nicht findet, sich wider Gottes Ratschluss aufzulehnen! Dann folgt ein erneuter Hinweis auf das Ziel der Erwählung: Auf dass wir etwas seien zu Lob seiner Herrlichkeit. Wird doch Gottes Ehre am höchsten verherrlicht, wenn wir  nichts mehr sind, als Gefäße Seiner Barmherzigkeit! Gottes Herrlichkeit im allereigentlichsten Sinne ist aber die Offenbarung Seiner Güte.